RZ-Emissionen gefährden die Klimaversprechen der größten Technologieunternehmen
Amazon warnt, dass der Ausbau von KI-Infrastruktur die Emissionen noch über Jahre steigen lassen dürfte
Der rasante Ausbau der KI-Infrastruktur treibt die Treibhausgasemissionen in der gesamten Technologiebranche in die Höhe.
Neue Nachhaltigkeitsberichte großer Technologieunternehmen zeigen, dass Bau und Betrieb von KI-Rechenzentren zu einer immer wichtigeren Emissionsquelle werden. Das gilt trotz anhaltend hoher Investitionen der Unternehmen in erneuerbare Energien.
Amazon berichtete, dass die weltweiten Treibhausgasemissionen des Unternehmens 2025 auf 80,8 Millionen Tonnen gestiegen seien. Im Vorjahr hatte der Wert bei 69,5 Millionen Tonnen gelegen. Damit verzeichnete Amazon den zweiten jährlichen Anstieg in Folge.
Zudem gab das Unternehmen an, dass seine Geschäftstätigkeit erstmals seit Beginn der Erfassung dieser Kennzahl im Jahr 2019 kohlenstoffintensiver geworden sei.
Die Kohlenstoffintensität stieg auf 113 Gramm Emissionen pro US-Dollar Umsatz, nach 109 Gramm im Jahr 2024. Das deutet darauf hin, dass die Emissionen schneller zunahmen als das Geschäftswachstum.
Netto-Null-Verpflichtung
Amazon hat sich verpflichtet, bis 2040 Netto-Null-CO₂-Emissionen zu erreichen. Zugleich räumte das Unternehmen ein, dass der Weg dorthin voraussichtlich nicht geradlinig verlaufen wird, weil es die für KI-Dienste erforderliche Recheninfrastruktur weiter ausbaut.
„Das wird kein linearer Prozess sein. Es wird keine Angelegenheit von nur einem Jahr sein“, erklärte Kara Hurst, Chief Sustainability Officer bei Amazon, gegenüber Semafor.
Amazon gehört neben Meta zu den weltweit größten gewerblichen Abnehmern von Strom aus erneuerbaren Energien, investiert jedoch gleichzeitig massiv in neue Rechenzentren.
Offengelegt hat Amazon den genauen Energiemix dieser Anlagen nicht. Zugleich bleibt ein erheblicher Teil der Rechenzentrumskapazitäten in der Branche weiterhin auf Erdgas angewiesen.
Ähnliche Trends in der gesamten Branche
Die Entwicklung bei Amazon steht nicht isoliert, sondern entspricht ähnlichen Trends in anderen Teilen der Branche.
Google teilte in dieser Woche mit, dass seine Treibhausgasemissionen seit 2019 um 82 Prozent und im vergangenen Jahr um mehr als 18 Prozent gestiegen seien – trotz des Ziels, die Emissionen bis 2030 zu halbieren.
„Der Ausbau unserer KI-Infrastruktur schreitet derzeit schneller voran als die Dekarbonisierung des Stromnetzes“, erklärte Kate Brandt, Chief Sustainability Officer bei Google, im jährlichen Umweltbericht des Unternehmens.
Google meldete für das vergangene Jahr Gesamtemissionen von 18,8 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalent. Ein großer Teil der Belastung entfällt dabei nicht auf eigene Büros und Einrichtungen, sondern auf die Lieferkette.
Auswirkungen auf die Umwelt
Die wachsenden Umweltauswirkungen von KI rücken auch international stärker in den Fokus.
Ein aktueller Bericht der Vereinten Nationen kommt zu dem Ergebnis, dass Rechenzentren inzwischen mehr Strom verbrauchen als alle Länder bis auf zehn. Damit würde KI faktisch zum elftgrößten Energieverbraucher der Welt.
Auch McKinsey ordnet den Energiebedarf von Rechenzentren inzwischen als strategischen Standortfaktor ein. Für die USA erwartet das Beratungshaus, dass Rechenzentren ihren Anteil am gesamten Strombedarf von derzeit rund drei bis vier Prozent bis 2030 auf etwa elf bis zwölf Prozent erhöhen könnten.
Das erweitert die Debatte über KI-Emissionen um eine industriepolitische Dimension: Der Zugang zu verlässlicher, bezahlbarer und möglichst klimafreundlicher Energie wird für den Ausbau der KI-Infrastruktur zu einem Wettbewerbsfaktor. Bisher trieb vor allem der Zugang zu fossilen und später auch zu radioaktiven Brennstoffen den industriellen Fortschritt an.
Auch in Deutschland verschärft der KI-Boom die Debatte über Rechenzentrumskapazitäten, Strombedarf und Regulierung. Laut einer Studie von Bitkom erreichte der deutsche Rechenzentrumsmarkt 2025 eine installierte Gesamtkapazität von 2.980 Megawatt. Bis 2030 sollen die Kapazitäten um 70 Prozent steigen; die KI-Rechenzentrumskapazitäten könnten sich im selben Zeitraum vervierfachen.
Damit wird der Zielkonflikt auch hierzulande konkreter: Einerseits gilt leistungsfähige Rechenzentrumsinfrastruktur als Voraussetzung für digitale Souveränität, Wettbewerbsfähigkeit und KI-Anwendungen in Wirtschaft und Verwaltung. Andererseits steigt der Strombedarf der Branche weiter; für 2025 wird er auf 21,3 Milliarden Kilowattstunden beziffert. Netzkapazitäten, Genehmigungsverfahren, Flächenverfügbarkeit und die Vorgaben des Energieeffizienzgesetzes werden damit zu zentralen Faktoren für den weiteren Ausbau.
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Auf der London Climate Week im Juni forderte UN-Generalsekretär Antonio Guterres von KI-Unternehmen mehr Transparenz über ihre Umweltauswirkungen.
„Wenn KI dazu beitragen soll, eine bessere Zukunft zu gestalten, muss sie ehrlich darüber sein, was sie uns heute kostet“, sagte er bei der Vorstellung einer neuen Initiative für Umwelttransparenz im KI-Bereich.
Die Initiative fordert große KI-Entwickler auf, ihren ökologischen Fußabdruck öffentlich offenzulegen und sich dazu zu verpflichten, alle Rechenzentren bis 2030 mit erneuerbaren Energien zu betreiben.
Der Anstieg des KI-bezogenen Energiebedarfs beginnt zudem, die Politikgestaltung zu beeinflussen.
Berichten zufolge erwägt die Europäische Union Änderungen an Teilen ihrer Klimavorschriften, die den Bau neuer Rechenzentren erleichtern könnten. Hintergrund ist das politische Ziel, die wachsende Nachfrage nach KI-Rechenkapazitäten zu unterstützen.
Es wird erwartet, dass Meta und Microsoft im Laufe dieses Jahres aktualisierte Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen werden, wobei Investoren und Umweltverbände genau beobachten, ob auch sie einen weiteren Anstieg der Emissionen im Zusammenhang mit dem Ausbau der KI melden.
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Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag auf unserer Schwester-Website Computing.