Studie: Homeoffice belastet Berufsaussichten junger Hochschulabsolventen stärker als KI

Wie Remote-Arbeit die Nachwuchsförderung in wissensintensiven Berufen verändert

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Eine von der Federal Reserve Bank of New York veröffentlichte Studie ergab, dass der starke Anstieg von Remote-Arbeit seit der Pandemie erheblich zur steigenden Arbeitslosigkeit unter jüngeren Hochschulabsolventen beigetragen hat – insbesondere in Berufen, die sich leicht aus der Ferne ausüben lassen.

Die Ergebnisse stellen die These infrage, wonach generative KI in erster Linie für die verschlechterten Chancen von Berufseinsteigern in wissensintensiven Berufen verantwortlich ist – eine These, die dazu führt, dass Vertreter solcher Technologien an Hochschulen mitunter auf einen sehr kühlen Empfang stoßen.

Remote-Arbeit und die Einstellungslücke bei Hochschulabsolventen

Der Studie zufolge stieg die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen unter 29 Jahren von 3,1 % im Zeitraum vor der Pandemie (2017–2019) auf 3,7 % zwischen 2022 und 2025. Im gleichen Zeitraum ging die Arbeitslosigkeit unter erfahrenen Absolventen leicht zurück. Dadurch vergrößerte sich die Kluft zwischen jüngeren und älteren Arbeitnehmern.

Besonders deutlich zeigt sich diese Divergenz in Berufen, die der Bericht als „remotefähig“ bezeichnet. Dazu zählen Tätigkeiten wie Softwareentwicklung, Datenanalyse und andere Berufe, die sich grob als Büroberufe einordnen lassen – einschließlich der Unternehmens-IT.

In diesen Sektoren stieg die Arbeitslosigkeit unter jüngeren Arbeitnehmern, während die Quoten für erfahrenere Fachkräfte stabil blieben oder sich leicht verbesserten. Die Forscher schätzen, dass Remote-Arbeit rund 64 % des Anstiegs der Arbeitslosigkeit unter jungen Hochschulabsolventen seit der Pandemie erklärt.

Es liegt also nicht an der KI?

Die Studie erscheint inmitten einer spürbaren Gegenreaktion junger Erwachsener auf generative KI-Tools. Diese wird zum Teil von der Annahme getrieben, dass solche Werkzeuge die Nachfrage nach Berufseinsteigern in wissensintensiven Berufen verringern, indem sie Aufgaben automatisieren, die bislang von ihnen übernommen wurden.

Die Forscher argumentieren jedoch, dass der zeitliche Verlauf nicht dafür spricht, KI als Hauptursache der aktuellen Beschäftigungstrends unter Hochschulabsolventen zu sehen. Die Jugendarbeitslosigkeit begann bereits vor der breiten Einführung von LLMs und generativen KI-Systemen zu steigen. Zudem blieb der Zusammenhang zwischen Remote-Arbeit und Jugendarbeitslosigkeit auch dann sichtbar, wenn Berufe mit unterschiedlichem KI-Einsatz berücksichtigt wurden.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Unternehmen zunehmend zögern könnten, unerfahrene Mitarbeiter in Teams mit hohem Remote-Anteil einzustellen. Onboarding, Schulung und Leistungsmanagement werden schwieriger, wenn Beschäftigte physisch von Kollegen und Vorgesetzten getrennt sind.

Aus Sicht junger Arbeitssuchender erscheint besonders problematisch, dass nicht ihre eigene Remote-Arbeit die Chancen begrenzt. Ausschlaggebend ist vielmehr die Remote-Arbeit älterer, erfahrenerer Mitarbeiter – von denen sich viele gegen Versuche gewehrt haben, sie wieder vollständig ins Büro zurückzuholen.

Auswirkungen auf die Unternehmens-IT

Die Ergebnisse sind für den Technologiesektor besonders relevant. Trotz einiger viel beachteter RTO-Vorgaben sind die Aufgabenfelder Softwareentwicklung, Cybersicherheit, Cloud und Data Science in den vergangenen Jahren deutlich flexibler geworden. Gerade diese Flexibilität trägt jedoch oft zu ihrer Attraktivität für jüngere Erwachsene bei.

Das von den Forschern beschriebene Problem besteht darin, dass gerade diese Berufsgruppen stark auf den Transfer impliziten Wissens, informelles Coaching und gemeinsame Problemlösung angewiesen sind. Ein großer Teil dieses Lernens findet traditionell durch Beobachtung, spontane Interaktion und den täglichen Austausch mit erfahreneren Kollegen statt – all das wird deutlich schwieriger, wenn diese Kollegen von zu Hause aus arbeiten.

Die Forscher der New York Fed ergänzten Arbeitsmarktdaten um Erkenntnisse aus einem Fortune-500-Technologieunternehmen. Dabei zeigte sich, dass Mitarbeiter, die räumlich nahe beieinander arbeiteten, deutlich mehr Feedback und Betreuung erhielten als Kollegen im Remote-Setup.

Jüngere Mitarbeiter waren davon besonders betroffen, weil sie stärker auf informelle Anleitung und entwicklungsförderndes Feedback angewiesen sind.

Für CIOs und andere Führungskräfte im Technologiebereich wirft die Studie die Frage auf, wie effektiv Unternehmen ihre künftigen Nachwuchspipelines im technischen Bereich aufbauen können, wenn viele erfahrene Mitarbeiter die meiste Zeit im Homeoffice arbeiten.

Die fehlende Mitte

Die Studie zeigt, dass das untersuchte Fortune-500-Unternehmen die Einstellung unerfahrener Mitarbeiter reduzierte, als die Büros geschlossen waren, und sich stattdessen auf erfahrenere Neueinstellungen konzentrierte, die weniger Betreuung benötigten. Nach der Wiedereröffnung der Büros erholte sich die Einstellung von Hochschulabsolventen. Dennoch blieb die Präferenz für erfahrene Mitarbeiter in remote verteilten Teams stärker ausgeprägt als in Teams, die an einem gemeinsamen Standort arbeiten.

Häufig ist von Fachkräftemangel die Rede, insbesondere in den Bereichen Cybersicherheit, Cloud- und KI-Entwicklung sowie Data Science. Die Studie legt jedoch nahe, dass geringere Investitionen in die Nachwuchsförderung das Angebot an jüngeren Talenten zusätzlich verknappen.

Branchenbeobachter warnen seit Längerem davor, dass Unternehmen ein „Missing-Middle“-Problem schaffen könnten: Sie geben am Ende viel Geld dafür aus, erfahrene Fachkräfte abzuwerben, investieren aber weniger in die Entwicklung jener Mitarbeiter, die später selbst zu diesen Experten werden könnten.

Das Hybridmodell verfeinern

Naheliegend wäre der Schluss, dass IT-Teams in Unternehmen nun die sofortige Rückkehr aller Beschäftigten ins Büro fordern sollten. Andere Untersuchungen zeigen jedoch, dass hybride Modelle ebenfalls Vorteile bieten. Dazu zählen der Zugang zu einem größeren Talentpool, mehr Flexibilität und geringere geografische Hürden bei der Beschäftigung.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem, dass Remote-Arbeitsmöglichkeiten für viele Beschäftigte das Lohnwachstum und die berufliche Mobilität verbessern können – insbesondere für jene, die weiter entfernt von Technologiezentren in London und im Südosten sowie in Manchester und Leeds leben.

Die Studie unterstreicht stattdessen, wie wichtig es ist, hybride Arbeitsmodelle differenziert zu gestalten und die Unterschiede zwischen den Mitarbeitergruppen zu berücksichtigen. Für Führungskräfte besteht die Herausforderung daher womöglich weniger darin, sich grundsätzlich zwischen Remote- und Büroarbeit zu entscheiden. Entscheidend ist vielmehr die Frage, welche Tätigkeiten besonders von physischer Nähe profitieren. Schulung, Einarbeitung, Mentoring und Karriereentwicklung könnten damit stärker zu Schwerpunkten persönlicher Zusammenarbeit werden, während routinemäßige Einzelarbeit weiterhin eher remote erledigt wird.