Was ist mit all den Einsteigerjobs passiert?
Trägt wirklich KI die Schuld an deren Verschwinden?
Während die aktuellen Absolventen und Schulabgänger vergeblich auf eine Antwort – irgendeine Antwort – auf ihre per E-Mail verschickten Bewerbungen warten, stellt sich die Frage: Wo sind all die Einstiegsjobs geblieben?
Das ist eine ziemliche Kehrtwende gegenüber der Situation vor zwei oder drei Jahren nach der Pandemie, als es einen regerechten Boom für Neuorientierung gab und alle über die Gefahr einer stillen Kündigung sprachen. Tatsächlich ist heute eher das Gegenteil der Fall.
Vielleicht haben Sie eine Qualifikation, die als garantierter Schlüssel zu einem festen Arbeitsplatz verkauft wird – zum Beispiel Cybersicherheit oder Datenwissenschaft. Das spielt keine Rolle. Sie stehen vor derselben verschlossenen Tür wie alle anderen auch. Selbst wenn Sie bereits über Berufserfahrung verfügen, öffnet sich die Tür, wenn überhaupt, nur einen Spalt weit.
Es ist die klassische Zwickmühle für Arbeitssuchende, aber in einem viel größeren Ausmaß als zuvor.
Diese Wende scheint plötzlich eingetreten zu sein. Das hat Gerüchte ausgelöst: KI könnte dafür verantwortlich sein. Diese Vermutungen werden von einigen Tech-CEOs, für die jede Publicity gute Publicity ist, mit selbstverherrlichenden Vorhersagen über eine Apokalypse der Angestelltenjobs angeheizt.
Aber ist wirklich die KI schuld?
Vorreiter der Lasst-uns-die-Menschen-ersetzen-Brigade wie Klarna ruderten schnell in Sachen KI zurück. Das schwedisches Finanzdienstleistungsunternehmen der „Jetzt kaufen, später bezahlen“-Generation hat wieder damit begonnen, Mitarbeiter einzustellen. Sie stellten fest, dass KI-Chatbots nicht mit dem Kundenservice durch Menschen mithalten können.
Auch das amerikanische DOGE-Programm hinterließ viel verbrannte Erde und holte in mehreren Bereichen geschasste Mitarbeitende zurück, kaum dass sie zur Tür raus waren. In einschlägigen Foren kamen die neuen KI-Kollegen schlecht weg bei der verbliebenen Mannschaft. Schlechter als bei jedem Praktikanten sei der Nutzen. Und: Praktikanten könnten wenigstens noch Kaffee holen.
Tatsächlich ist es schwer zu glauben, dass KI in ihrem derzeitigen Zustand so viele Arbeitsplätze verdrängt, dass es zu einem Mangel an Einstiegsjobs kommt. Allerdings könnten KI-Rekrutierungssysteme Teil des Problems sein, indem sie geeignete Kandidaten aus falschen Gründen vorzeitig ablehnen, beispielsweise weil sie ChatGPT nicht zum Verfassen ihres Lebenslaufs verwendet haben.
Auch wenn KI-Systeme derzeit vielleicht noch nicht in der Lage sind, viele Einstiegsjobs zu ersetzen, könnte dies in ein paar Jahren der Fall sein. Eine mögliche (und teilweise) Erklärung für den Mangel an Einstiegsjobs ist, dass das rasante Tempo der KI-Entwicklung als Vorwand genutzt wird, um Einstellungen zurückzuhalten. Warum sollte man in unsicheren Zeiten in die Einarbeitung neuer Mitarbeiter investieren, wenn KI bald einen Teil der Arbeit übernehmen könnte?
In einer aktuellen Computing-Umfrage unter britischen IT-Führungskräften gaben 17% zu, dass sie die Besetzung von Junior-Positionen zurückhalten, weil KI diese Aufgaben übernehmen könnte, während 22% Steuer- und Sozialversicherungsänderungen als Grund nannten.
Welche Erfahrung haben Sie? Sind Sie Fachkraft und suchen verzweifelt neue Herausforderungen? Oder sind Sie Arbeitgeber und warten darauf, dass KI Ihrer Organisation zu neuer Effizienz verhilft? Schreiben Sie mir eine E-Mail.
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf unserer Schwester-Website Computing.