IT-Survey 2025: Kostenexplosionen, Open Source und große Unterschiede beim Einsatz von KI

KI ist in vielen Unternehmen angekommen. Es gibt allerdings große Unterschiede und noch größere Herausforderungen. In einer nicht repräsentativen Umfrage wollten wir es genauer wissen und haben die Computing-Mitglieder nach ihren IT-Budgets, der Relevanz von Nachhaltigkeit in der Beschaffung sowie dem Einsatz von KI in ihren Organisationen befragt.

Bild: Getty Images / Credits: Da-Kuk

Für seinen IT-Survey 2025 befragte Computing Deutschland IT-Verantwortliche in Unternehmen zur Höhe der IT-Budgets, zum Einsatz von KI, zu ihren Herausforderungen und zur Rolle, die Nachhaltigkeit bei der Beschaffung spielt.

An der Umfrage nahmen Mitglieder der Computing-Deutschland-Community sowie Mitgliedsunternehmen der Open Source Business Alliance (OSBA) – der Bundesverband für digitale Souveränität – teil. Die Größe der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen reichte von klein (1-25 Angestellte) bis hin zu über 1.000 Mitarbeitenden.

Alle Angaben erfolgen freiwillig. Die Beantwortung aller Fragen war nicht zwingend; Fragen konnten auch übersprungen werden. Die Umfrage ist nicht repräsentativ.

Budgets und steigende Kosten

Die Größe des IT-Budgets variiert je nach Unternehmensgröße. Ein Großteil der Organisationen gab einen Wert zwischen fünf und zehn Millionen an.

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Höhe des jährlichen IT-Budgets (Quelle Computing Deutschland IT-Survey 2025)

Damit liegen die befragten Unternehmen durchaus im Trend. In Europa lag der Durchschnittswert laut Gartner 2025 bei etwas über einer Million Euro – Tendenz steigend. Treiber dürften allerdings weniger eine gestiegene Investitionsbereitschaft als vielmehr steigende Kosten sein.

Das spüren auch die Unternehmen. Zu den größten Herausforderungen zählen unter den Teilnehmern die Kostenexplosion in den Bereichen Software und Cloud sowie steigende regulatorische und wirtschaftliche Anforderungen.

Auf die Frage nach den größten Herausforderungen gab der IT-Leiter eines global agierenden Spezialisten für Fabrikautomation an: “Kostenexplosion im Bereich Software-Subskription und Support, Cloud-Kosten-Explosion.” Als einen Grund nannte er die zunehmend verbreitete “Abkehr von perpetual Licensing”.

Gartner erwartet für 2026 einen weiteren Anstieg der Kosten für KI, Cloud und Cybersicherheit. Vor allem im Cloudbereich werden die Investitionen zunehmen. John-David Lovelock, Distinguished VP Analyst bei Gartner, ist überzeugt: „Die Cloud-Investitionen in Europa werden 2026 turbulenter sein, da sich CIOs auf digitale Souveränität konzentrieren und ihre Cloud-Dienste näher an ihren Standort verlagern“

Die Rolle von Nachhaltigkeit bei der Beschaffung

ESG (Environmental, Social und Governance ) spielt in immer mehr Unternehmen eine zunehmend größere Rolle. Die Motivation ist neben Umwelt- und Fairnessaspekten vor allem eine bessere Markenreputation, aber auch Compliance-Anforderungen wie die Einhaltung von Gesetzen wie dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG).

Im Rahmen einer 2025 von SAP gesponserten Studie des Think Tank Economist Impact (The Resilient Edge: Procurement in an Era of Polycrisis) nannten mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Befragten Nachhaltigkeit als oberste strategische Priorität für die kommenden 12 bis 18 Monate.

Laut der Studie “Nachhaltige Beschaffung und verantwortungsvolle Lieferketten 2025” nimmt jedoch die Bereitschaft, dafür höhere Preise zu zahlen, spürbar ab. Nur noch 32 % der Befragten waren bereit, für nachhaltige Angebote mehr zu zahlen. Das entspricht einem Rückgang um 12 Prozentpunkte gegenüber der Befragung im Jahr 2023. Die Studie wurde von JARO Institut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung e. V. in Kooperation mit Unite durchgeführt.

Das scheinen die Teilnehmer des IT-Surveys ähnlich zu sehen. Zwar ist Nachhaltigkeit für mehr als die Hälfte wichtig bzw. sehr wichtig. Allerdings gaben auch 20 % an, dass das Thema sehr unwichtig sei.

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Nachhaltigkeit in der Beschaffung (Quelle Computing Deutschland IT-Survey 2025)

Einsatz von KI im Unternehmen

Mehr als die Hälfte der am IT-Survey teilnehmenden Unternehmen setzt bereits KI ein – allerdings in sehr unterschiedlichen Bereichen. Ein Großteil der Befragten nutzt KI zur Unterstützung des operativen Geschäfts sowie zur Verbesserung der angebotenen Dienstleistungen. Nur jeweils ein Unternehmen gab an, KI auch im Bereich Cybersicherheit und Threat Intelligence bzw. in der Softwareentwicklung einzusetzen.

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Einsatz von KI im Unternehmen (Quelle Computing Deutschland IT-Survey 2025)

Unternehmen, die bereits künstliche Intelligenz nutzen oder dies planen, wollen bis 2026 weiter in diese Technologie investieren. Unternehmen, die derzeit noch keine KI einsetzen, beabsichtigen auch nicht, dies in 2026 zu ändern.

Unsere Umfrage bestätigt den Eindruck eines ambivalenten Verhältnisses von Organisationen zu KI. Viele KI-Projekte scheitern oder werden wieder eingestellt, weil sie nicht den erhofften Effekt erzielen oder Mitarbeitende die Technologie nicht annehmen.

Der CTO eines marktführenden Anbieters von Marketing- und Vertriebslösungen macht dafür “falsche Erwartungen an KI und Nichtberücksichtigung der Marktrealität” verantwortlich und warnt: “KI und insbesondere LLM geben Ihnen das, was Sie wollen, nicht das, was Sie brauchen.”

Er steht mit dieser Einschätzung nicht allein da. Sven Peters, AI-Evangelist bei Atlassian, betonte in einem kürzlich geführten Interview, “dass KI keineswegs als universelle Lösung für sämtliche Unternehmensprobleme betrachtet werden sollte, wie es gelegentlich suggeriert wird.”

Für Peters ist es von eminenter Bedeutung, dass “zu Beginn jedes Unternehmen zunächst die eigenen Herausforderungen klar identifizieren muss, bevor der Einsatz künstlicher Intelligenz in Erwägung gezogen wird. Der universelle Einsatz von KI ist nicht immer sinnvoll, da generative KI für bestimmte Aufgaben optimal geeignet ist, während sie in anderen Bereichen weniger effizient sein kann.”

Bei einem von Lenovo und Nvidia organisierten Rundtischgespräch teilten Technologieführer Ideen, wie KI-Versprechen in echte Werte umgesetzt werden können.

Die größten Herausforderungen für IT-Verantwortliche

Neben der Kostenexplosion in den Bereichen Software und Cloud zählen für die Befragten steigende regulatorische und geschäftliche Anforderungen zu den größten Herausforderungen.

Kostenexplosion und “mangelnder Automatisierungswille der Software-Lieferanten außerhalb ihres eigenen Ökosystems” können durchaus dazu führen, dass Unternehmen neue Wege einschlagen.

Der IT-Leiter eines renommierten Spezialisten für Fabrikautomation sagt: “Cloud bedeutet IT-Automatisierung, und nirgendwo steht geschrieben, dass man das nicht auch selbst machen kann.”

Seine Empfehlung gegen steigende Abhängigkeiten und Kosten ist: “Das erste Kapitel einer Cloud-Strategie sollte die Cloud-Exit-Strategie sein.”

Der CISO eines global agierenden Spezialisten für Gebäudesicherheit sagte: “Die größte Herausforderung ist nicht eine einzelne Technologie, sondern die Fähigkeit, einen hochgradig heterogenen, cyber-physischen Technologiestack sicher, interoperabel und modern zu transformieren, während regulatorische, sicherheitstechnische und geschäftliche Anforderungen gleichzeitig zunehmen.”

Digitale Souveränität und Open Source

Für mehrere Teilnehmer gehört digitale Souveränität zu den größten Herausforderungen.

Für den IT-Manager eines renommierten Unternehmens für nachhaltige Immobilien gehören “Abhängigkeiten, proprietäre Protokolle und Formate" zu den größten Herausforderungen. Er kritisiert zudem “die Selbstverständlichkeit, wie Partner z.B. Office365 einsetzen und dies von allen erwarten.”

Sein Rat an andere IT-Verantwortliche ist: “Konsequent auf offene Standards und Protokolle setzen. Keine Angst haben vor Veränderung.” Er ist überzeugt: “Entwickler für Verbesserungen an Open-Source-Software zu bezahlen bedeutet, dass man selbst und auch andere permanent davon profitieren.”

Auch der IT-Leiter des global agierenden Experten für Fabrikautomation ist überzeugt: “Nur offener Code ist guter Code.” Er rät anderen IT-Verantwortlichen: “Entwickelt eine Open-Source-Strategie für euer Businessumfeld und maximiert die Unabhängigkeit von proprietären Softwareprodukten ... jeder Schritt in Richtung Unabhängigkeit zählt.”

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für Ihr Engagement. Unser besonderer Dank gilt dem Open Source Business Alliance (OSBA) – Bundesverband für digitale Souveränität e.V. und seinen Mitgliedsunternehmen für die Unterstützung.