Physical AI: Der Aufstieg von Smart-Brillen und humanoiden Robotern

Analysten prognostizieren den Beginn einer Revolution in den Bereichen Wearables und Robotik. Was denken die Leser von Computing darüber?

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Im vierten Teil unserer Berichterstattung über IT-Trends im Jahr 2026 befassen wir uns mit der Rückkehr der Smart-Brillen und dem Aufstieg humanoider Roboter.

Aller Anfang ist steinig

Als Meta im vergangenen Oktober seine neue KI-gestützte Smart-Brille auf den Markt brachte, erinnerten sich viele an Google Glass – ein Projekt des Suchmaschinenriesen aus dem letzten Jahrzehnt.

Google Glass war ein Pionierprojekt im Bereich der "Wearables" (“anziehbare Computer2) und ermöglichte es, Fotos zu machen, Videos aufzuzeichnen, Nachrichten zu empfangen und das Internet per Sprachbefehl zu nutzen.

Google Glass wurde nach einer Neuausrichtung auf den Enterprise-Markt bereits im März 2023 eingestellt. Man geht davon aus, dass die Verkaufszahlen im niedrigeren sechsstelligen Bereich blieben. Neben dem hohen Preis (1.500 USD) und der kurzen Akkulaufzeit (oft weniger als eine Stunde) war einer der Hauptgründe für den relativen Misserfolg von Glass die Sorge um den Datenschutz. Die Träger wurden mit dem unerwünschten Spitznamen „Glassholes” bedacht, da sie als aufdringlich und unheimlich empfunden wurden, weil sie Menschen ohne deren Wissen oder Zustimmung aufzeichnen konnten.

Seither hat sich viel verändert, vor allem im Bereich der KI. Während Google Glass auf grundlegende Augmented-Reality-, Aufzeichnungs- und sprachaktivierte Funktionen beschränkt war, nutzen die smarten Brillen von Meta KI und liefern Kontextinformationen, zeigen Beschreibungen von Objekten im Blickfeld an oder – sehr umstritten – ermöglichen Gesichtserkennung. Zu den Funktionen gehören außerdem Foto- und Videoaufnahmen, einschließlich Live-Streaming, Sprach- und Touch-Steuerung, Open-Ear-Audio, Live-Übersetzung und Objekterkennung, Integration mit Online-Diensten und Smartphones sowie Funktionen für blinde und sehbehinderte Nutzer.

Hersteller EssilorLuxottica, zu dem auch die Marke Ray-Ban gehört, gab an, im vergangenen Jahr mehr als 7 Millionen Meta-KI-Brillen verkauft zu haben. Zum Vergleich: In den Jahren 2023 und 2024 waren es insgesamt nur 2 Millionen.

Wenn KI selbständig wird

Die Brille von Meta wird nicht die einzige KI-Brille auf dem Markt sein. OpenAI entwickelt Berichten zufolge eine eigene Smart-Brille, die noch in diesem Jahr oder Anfang 2027 auf den Markt kommen soll, und auch Apple wird voraussichtlich etwa zur gleichen Zeit in diesen Markt einsteigen. Auch Google plant einen Neustart: Der Tech-Gigant arbeitet im Rahmen seiner Android-XR-Strategie an neuen, KI-gestützten Smart-Glasses-Projekten, die ab 2026 auf den Markt kommen könnten.

Analysten von HSBC schätzen, dass die Smart-Brillen-Branche bis 2040 auf 200 Milliarden US-Dollar wachsen wird, was den frühen Erfolg der KI-Wearables von Meta widerspiegelt. Sie prognostizieren einen Anstieg der Nutzerzahlen um 1.800 % auf 289 Millionen bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts, gegenüber 15 Millionen im Jahr 2025.

Was bleibt, sind Datenschutzbedenken: Die Meta-Brille verfügt zwar über eine kleine LED, die die Aufzeichnung anzeigt, die sich jedoch leicht verstecken lässt. Es gab bereits Beschwerden von Personen, die ohne ihr Wissen gefilmt wurden oder deren Aufnahmen in sozialen Medien veröffentlicht wurden. Noch besorgniserregender ist Metas Plan für die Integration einer Gesichtserkennungstechnologie.

Es ist offensichtlich, dass ein neues Zeitalter der Verbrauchergeräte bevorsteht, aber was denken die Leser von Computing?

Unsere technisch versierten Leser sind oft begeisterte Early Adopters neuer Geräte, wie unsere Umfrage unter 138 IT-Führungskräften im Januar ergab. 4 % gaben an, eine Smart-Brille zu besitzen, weitere 1 % sagten, sie hätten eine bestellt. Fast doppelt so viele (9 %) planen, in diesem Jahr eine Smart-Brille zu kaufen.

Die Roboter kommen

Ebenfalls startklar sind humanoide Roboter, die ihren Weg aus den Labors in die Arbeitswelt finden. Zwar sind Menschen aus Fleisch und Blut bei den meisten Aufgaben noch immer im Vorteil, doch besteht kein Zweifel an der Richtung, in die die Entwicklung geht.

Laut Barclays Research haben Fortschritte in den Bereichen KI, Aktuatoren und Batterien die Produktionskosten in den letzten zehn Jahren um das 30-Fache gesenkt, wodurch humanoide Roboter für den Einsatz in der Fertigung, im Vertrieb, im Bauwesen und im Gesundheitswesen zunehmend rentabel werden. Barclays Research prognostiziert, dass der weltweite Markt für humanoide Robotik, der derzeit bei etwa 2 bis 3 Milliarden US-Dollar liegt, bis 2035 ein Volumen von 200 Milliarden US-Dollar erreichen könnte.

China ist der weltweit führende Hersteller in diesem aufstrebenden Bereich, mit Anbietern wie AgiBot, UBTech und Unitree, die jeweils Tausende von Maschinen pro Jahr produzieren. Unterdessen hat Elon Musk die humanoide Robotersparte Optimus von Tesla als zukünftiges Kerngeschäft positioniert und die Autos in den Hintergrund gedrängt. Weitere Akteure sind Amazon Robotics, Boston Dynamics, Figure AI und Agility Robotics.

Warum humanoid?

Zweibeinige Roboter, die der menschlichen Form nachempfunden sind, sind für den Einsatz an Arbeitsplätzen optimiert, die für menschenähnliche Wesen ausgelegt sind – im Gegensatz zu den vollautomatisierten „dunklen” Fabriken, die speziell für den Roboterbetrieb geschaffen wurden. Humanoide Roboter können Treppen, Steigungen und Türen überwinden und Informationen von Hinweisschildern und Armaturenbrettern lesen. Sie sind zwar nicht so schnell wie vierbeinige Maschinen, aber da sie zweibeinig sind, können sie leichter, weniger komplex und agiler sein. Ebenso eignen sie sich mit zwei Armen gut für eine Reihe von menschenähnlichen Aufgaben, darunter Falten und Stapeln von Kartons; ein Arm würde die Geschicklichkeit einschränken, während drei oder mehr Arme die Komplexität und das Gewicht erhöhen würden, ohne dass sich dies in einem höheren Ertrag niederschlägt.

Da viele Länder (darunter auch China, das in diesem Bereich führend ist) mit Arbeitskräftemangel und einer alternden Bevölkerung zu kämpfen haben, sollen humanoide Roboter Lücken im Arbeitsmarkt füllen, sowohl bei schweren, repetitiven, gefährlichen und mühsamen Arbeiten als auch bei der Pflege der wachsenden Zahl älterer oder gebrechlicher Menschen. Da die vertraute Form die Akzeptanzbarriere senkt, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis wir menschenähnliche Roboter in medizinischen Einrichtungen und Pflegeheimen sehen.

Die Roboter kommen also. Tatsächlich sind sie bereits da, sagten einige wenige Befragte aus den Bereichen Regierung, Technologie und Fertigung.

Auf die Frage, wann humanoide oder andere autonome physische Roboter oder Fahrzeuge in ihrem Sektor eine Rolle spielen werden, gaben 5 % an, dass dies bereits der Fall ist. Insgesamt 10 % sagten, dass die Auswirkungen in den nächsten zwei Jahren zu spüren sein werden, während 19 % nicht davon ausgehen, dass autonome Maschinen in absehbarer Zukunft einen großen Unterschied machen werden. Letztere waren überproportional in den Bereichen Bildung, Unternehmensdienstleistungen und Finanzdienstleistungen vertreten.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf unserer Schwester-Website Computing.