Wie SAP Nachhaltigkeit skaliert
SAPs Chief Sustainability and Commercial Officer über die Rolle des Softwaregiganten als eigener „Patient Zero“ beim Abbau von Abfall und Emissionen
Trotz widriger globaler Rahmenbedingungen bleibt SAP seinen Nachhaltigkeitszielen treu. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen zunehmend auf seine zentrale Rolle gesetzt: Über die Plattformen von SAP laufen gigantische Mengen an Unternehmensdaten – und diese Daten nutzt der Konzern, um Firmen dabei zu helfen, ihre Umweltbilanz zu verbessern. Dieses Engagement wird fortgeführt, wenngleich mit einigen Anpassungen.
Eine dieser Veränderungen betrifft den Titel von Sophia Mendelsohn: Sie ist nun Chief Sustainability and Commercial Officer – die kommerzielle Dimension ist eine jüngste Ergänzung.
„Wir haben diese Kombination sehr bewusst gewählt“, sagte sie im Gespräch mit Computing. „Nachhaltigkeit kann nur erfolgreich sein, wenn sie ins Geschäft integriert ist. Genau das tun wir hier: Wir skalieren Nachhaltigkeit.“
Im Zuge der Entwicklung von Lösungen, die Unternehmen ein präzises Tracking von Emissionen und Abfall ermöglichen, setzt SAP die eigenen Werkzeuge selbst ein – das Unternehmen versteht sich in dieser Hinsicht als „Patient Zero“. Das Programm [SAP runs SAP Sustainability] wendet die hauseigenen Lösungen auf die eigenen Betriebsprozesse an und optimiert diese iterativ durch Praxiserfahrung. Laut dem aktuellen [Nachhaltigkeitsbericht] sind mittlerweile 50 % des internen CO₂-Fußabdrucks von SAP durch das Sustainability Footprint Management abgedeckt und validiert; das Ziel ist eine 100 %-Abdeckung (ohne nachgelagerte Emissionen) noch in diesem Jahr.
Dabei hat SAP den Übergang von Schätzungen zu realen Messdaten vollzogen – ein entscheidender Schritt zu mehr Genauigkeit.
„Als wir uns das Net Zero-Ziel gesetzt haben, arbeiteten wir zunächst mit Annahmen“, so Mendelsohn. „Heute können wir für alle Emissionsquellen und Lieferkettenstandorte exakte Daten einsetzen – Posten für Posten.“
Das sei von zentraler Bedeutung: „Nur mit echten Daten kann man Investitionsentscheidungen zur CO₂-Reduktion fundiert treffen.“
Diese Daten umfassen auch die schwer zu berechnenden Scope-3-Emissionen (aus der Lieferkette). Hier habe es in den letzten 18 Monaten „riesige Fortschritte“ gegeben: Mit Sustainability Footprint Management lassen sich Emissionen inzwischen bis auf Ebene einzelner Produkte herunterbrechen – etwa bei einem Liter Milch, wie der Molkereikonzern DMK kürzlich auf der Sapphire-Konferenz demonstrierte.
Ein weiterer Fokusbereich ist die zirkuläre Wirtschaft, insbesondere angesichts strenger EU-Vorschriften zur Kunststoffentsorgung. SAP bietet Lösungen, um Mengenströme von Materialien zu verfolgen – von Einfuhr über Entsorgung bis hin zu möglichen Rückerstattungen. Das Ziel: kein E-Waste mehr aus dem Betrieb bis 2030. Aktuell werden bereits 95 % des Elektroschrotts recycelt; für 2024 konnte SAP die Menge an E-Waste im Vergleich zum Vorjahr um 47 % senken.
Dass die aktuelle US-Regierung viele Umweltgesetze abgeschafft hat, wirkt sich auf SAP nur bedingt aus. Der Großteil der Kundschaft ist europäisch oder global aufgestellt – und verfolgt unabhängig davon langfristige Strategien zum Abbau von Emissionen und Abfall.
„Unsere Kunden bewerten Risiken und Chancen“, erklärt Mendelsohn. „Solange Nachhaltigkeit als Produktmerkmal einen Wettbewerbsvorteil bietet oder CO₂-Bilanzen als Risiko wahrgenommen werden – sei es durch eigene Kunden, Zulieferer oder Investoren –, bleibt die Arbeit in vollem Gange.“
“Customers are looking at their risks and opportunities,” said Mendelsohn. “So long as they see the ability to produce products where sustainability is a differentiator in the product attribute, or understand carbon as a risk that their own clients, customers and suppliers are asking them about, the work keeps going.”