Wenn KI-Agenten die Beschaffung übernehmen
Die agentenbasierte Beschaffung wird von der Theorie zur Realität. Sind CIOs bereit?
Gartners Prognose, wonach KI-Agenten bis 2028 90 Prozent der B2B-Käufe vermitteln könnten, mag ambitioniert klingen. Doch neue Produkte, die Softwareverträge autonom aushandeln sollen, deuten darauf hin, dass sie Wirklichkeit werden könnte. Für viele CIOs dürfte die Vorstellung, dass KI-Agenten mit Anbietern verhandeln oder Kaufentscheidungen beeinflussen, noch futuristisch oder sogar etwas absurd wirken. Allerdings entwickeln immer mehr Technologieanbieter genau dafür entsprechende Tools.
Der Trend rückte in den Fokus, nachdem Gartner im November 2025 prognostiziert hatte, dass bis 2028 90 Prozent der B2B-Einkäufe durch KI-Agenten vermittelt werden könnten. Das entspräche einem Umsatzvolumen von mehr als 15 Billionen US-Dollar. Auch wenn dieser Zeitpunkt noch Jahre entfernt ist, zeigen jüngste Entwicklungen in der Beschaffungstechnologie, dass einige Unternehmen bereits mit KI-gesteuerten Verhandlungen und Einkaufsempfehlungen experimentieren. Ein Beispiel ist „Ana“, das der Beschaffungstechnologieanbieter Vertice in dieser Woche vorgestellt hat: ein KI-Verhandlungsagent, der Softwarekäufe im Auftrag von Unternehmen aushandeln soll.
KI-Agenten halten Einzug in die Beschaffung
Vertice beschreibt Ana als einen auf die Beschaffung spezialisierten KI-Agenten, der Softwareverhandlungen autonom oder unter menschlicher Aufsicht führen kann. Nach Angaben des Unternehmens kam die Plattform bereits bei mehr als 4.000 Verhandlungen mit einem Ausgabevolumen von über 500 Millionen US-Dollar zum Einsatz. Dabei habe sie durchschnittliche Einsparungen von 18 Prozent erzielt und die Verlängerungszyklen um 15 Tage verkürzt. In einer Pressemitteilung teilte Vertice zudem mit, sein System sei anhand eines Datensatzes zur Beschaffungsintelligenz trainiert worden. Dieser umfasst mehr als 250.000 ausgehandelte Verträge, indirekte Ausgaben in Höhe von 75 Milliarden US-Dollar und mehr als 2 Millionen Preispunkte (MES Computing hat diese Angaben nicht unabhängig überprüft.).
Vertice zufolge kann die Plattform Verhandlungsstrategien bewerten, Korrespondenzentwürfe erstellen, Beschaffungsanforderungen durchsetzen und überprüfbare Aufzeichnungen von Einkaufsgesprächen führen. „Die meisten Beschaffungsteams sind nur in der Lage, einen Bruchteil ihrer Softwareausgaben zu überwachen. Der Rest wird einfach durchgewunken“, erklärte Eldar Tuvey, Gründer und CEO von Vertice, in einer Stellungnahme. „Ana verändert diese Gleichung.“
Die Ankündigung steht für einen umfassenderen Wandel in der Beschaffungstechnologie. Anbieter gehen zunehmend über die reine Automatisierung von Arbeitsabläufen hinaus und entwickeln Systeme, die Vorschläge machen und aktiv an Beschaffungsprozessen teilnehmen können.
Die nächste Frage zur Governance
Ob KI-Agenten am Ende jeden Softwarevertrag aushandeln, dürfte für CIOs weniger entscheidend sein als die damit verbundene Frage der Governance. Empfiehlt ein KI-Agent beispielsweise einen Anbieter gegenüber einem anderen, benötigen CIOs möglicherweise Einblick in das Zustandekommen dieser Empfehlung und darin, wie sich die Entscheidung später überprüfen lässt.
Diese Bedenken ähneln den Governance-Problemen, mit denen sich IT-Führungskräfte bereits auseinandersetzen. Während immer mehr KI-gestützte Anwendungen zum Einsatz kommen, versuchen viele noch zu verstehen, wo KI eingesetzt wird, wie sich die zugrunde liegenden Modelle verändern und welche Folgen diese Veränderungen für die Geschäftsergebnisse haben können.
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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf unserer Schwester-Website MES Computing.