Wenn die KI-Cloud ins Stolpern gerät
Der gleichzeitige Ausfall von ChatGPT, Claude und Grok zeigt, wie abhängig die KI-Welt von wenigen gemeinsamen Infrastrukturen geworden ist.
Am Donnerstag, dem 3. September, meldeten gegen 15:49 Uhr UTC Tausende überwiegend in den USA ansässige Nutzer zeitgleich Störungen bei ChatGPT, Claude und Grok auf Downdetector. Nahezu zeitgleich registrierte auch der Monitoringdienst StatusGator Probleme in Microsofts Azure-Region „East US“. Alle drei KI-Dienste stützen sich in erheblichem Umfang auf Azure East US. Ein beträchtlicher Teil des Datenverkehrs läuft über Microsofts Rechenzentren – insbesondere bei Anfragen aus den USA.
Zur Ursache der parallelen Ausfälle äußerte sich bislang keines der beteiligten Unternehmen. Anthropic meldete auf seiner Statusseite lediglich „erhöhte Fehlerraten bei mehreren Modellen“, darunter Claude Opus 5. OpenAI verzeichnete „erhöhte Fehlerraten bei ChatGPT und Codex“. Auf der Grok-Statusseite von xAI war von einem „Ausfall der Modelle“ mit einer Dauer von 3 Stunden und 37 Minuten die Rede. Inzwischen sind die betroffenen Cloud-APIs wieder erreichbar.
Als mögliche Erklärung gilt ein Problem bei einer gemeinsamen Azure-Abhängigkeit. Ebenso dürfte sogenanntes „Model Hopping“ die Störungen verstärkt haben: Fiel ChatGPT aus – bei Downdetector der Dienst mit den meisten Meldungen –, wichen viele Nutzer offenbar auf Claude oder Grok aus. Der zusätzliche Traffic könnte die Lage dort weiter verschärft haben. Microsoft kommentierte den Vorfall bislang nicht.
Auch Nutzer von Google Gemini berichteten im gleichen Zeitraum über Verzögerungen. Gemini läuft allerdings auf Google Cloud und nicht auf Azure. Möglich ist daher ein Zufall – oder ein kurzfristiger Lastanstieg, weil Nutzer nach Alternativen zu den gestörten Diensten suchten. Auch Google äußerte sich dazu bislang nicht.
Unabhängig von der konkreten Ursache macht der Vorfall ein strukturelles Risiko sichtbar: Wenn mehrere zentrale KI-Dienste auf dieselben Infrastrukturbausteine angewiesen sind, kann eine einzelne Störung schnell Kettenreaktionen auslösen. Für Unternehmen entsteht damit ein Konzentrationsrisiko, das weit über den Ausfall einzelner Chatbots hinausgeht.
Ausfall reiht sich in Hyperscaler-Probleme ein
Erst am Montag hatte ein größerer Microsoft-365-Ausfall zahlreiche Nutzer getroffen: Berichten zufolge waren vor allem Outlook, Exchange Online und damit verbundene Funktionen in Teams betroffen; Microsoft verwies öffentlich auf Probleme rund um Azure Front Door, das globale Netzwerk für Content- und Anwendungsbereitstellung.
Die großen Cloud-Hyperscaler hatten bereits im Laufe des Jahres 2026 mit spürbaren Ausfällen zu kämpfen:
- Im Januar wurde ein mehr als neunstündiger Microsoft-365-Ausfall auf eine erhöhte Dienstauslastung und eine reduzierte Infrastrukturkapazität während Wartungsarbeiten zurückgeführt.
- Im Februar wurde Amazons interner KI-Programmierassistent Kiro weithin mit einer falsch konfigurierten Zugriffskontrolle in Verbindung gebracht, die eine längere Ausfallzeit nach sich zog.
- Im Juli wiederum sorgte ein Strom- und Kühlungsausfall in einem Google-Rechenzentrum in den Niederlanden dafür, dass mehrere Google-Cloud-Dienste fast 15 Stunden lang nicht verfügbar waren.
All diese Vorfälle unterstreichen, wie stark selbst alltägliche Produktivitätsdienste von zentralen Cloud- und Netzwerkkomponenten abhängen.
Anm. D. Red.: Der Ausfall der Chatbots ereignete sich nur wenige Stunden, bevor OpenAI sein neuestes Modell „Astra“ vorstellen wollte – begleitet von der vertrauten Botschaft, die allgemeine künstliche Intelligenz (AGI) rücke näher.
Computing hat OpenAI, Anthropic, Microsoft und Google um Stellungnahmen gebeten.
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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf unserer Schwester-Website Computing.