NVIDIA kündigt Einstieg bei Intel an

Was bedeutet das für den Markt, Lieferanten und Kunden?

Bild: KI

NVIDIA kündigte an, 5 Milliarden US-Dollar in Intel-Stammaktien zu investieren. Gleichzeitig gaben beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Entwicklung maßgeschneiderter Rechenzentrums- und PC-Produkte bekannt. Geplant ist die Verbindung von NVIDIA- und Intel-Architekturen und so die Produkte von NVIDIA mit Intels x86-Ökosystem stärker zu integrieren.

Die US-Behörden müssen dem Geschäft noch zustimmen. Huang betont, dass die Regierung nicht an dem Deal beteiligt sei. Gleichzeitig räumt er ein, dass Handelsminister Howard Lutnick „sehr begeistert” von der Vereinbarung sei und sie unterstütze.

„Die x86-Architektur von Intel ist seit Jahrzehnten die Grundlage für modernes Computing – und wir innovieren unser gesamtes Portfolio, um die Workloads der Zukunft zu ermöglichen“, sagte Intel-CEO Lip-Bu Tan.

Für Rechenzentren plant Intel NVIDIA-spezifische x86-CPUs zu entwickeln, die NVIDIA in seine KI-Infrastrukturplattformen integrieren kann. Im Bereich Personal Computing will Intel wiederum x86-System-on-Chips (SOCs) entwickeln, die NVIDIA RTX-GPU-Chiplets integrieren.

„KI treibt eine neue industrielle Revolution voran und erfindet jede Ebene des Computing-Stacks neu – vom Silizium über Systeme bis hin zur Software. Im Zentrum dieser Neuerfindung steht die CUDA-Architektur von NVIDIA“, bekräftigt Jensen Huang, Gründer und CEO von NVIDIA. „Diese historische Zusammenarbeit verbindet die KI- und beschleunigte Computing-Architektur von NVIDIA eng mit den CPUs von Intel und dem riesigen x86-Ökosystem – eine Fusion zweier Weltklasse-Plattformen. Gemeinsam werden wir unsere Ökosysteme erweitern und den Grundstein für die nächste Ära des Computing legen.“

Huang hält einen bedeutenden Anteil an NVIDIA. Die Mehrheit der Aktien liegt jedoch bei verschiedenen großen Investmentfirmen, darunter Fondsgesellschaften wie Vanguard, BlackRock und Fidelity. BlackRock und Vanguard zählten bisher neben der japanischen Softbank auch bei Intel zu den Hauptaktionären. Mit der Entscheidung der US-Regierung, einen Anteil von 10 % an Intel zu erwerben, und Nvidias Ankündigung, Intel-Anteile im Volumen von fünf Milliarden Dollar übernehmen zu wollen, könnten sich die Machtverhältnisse bei Intels Anteilseignern drastisch verschieben. Allerdings kündigte auch die SoftBank-Gruppe an, Intel-Aktien im Wert von 2 Milliarden Dollar über ARM erwerben zu wollen. Softbank kaufte ARM im Jahr 2016 für 24,3 Milliarden Pfund und hält weiterhin 90% der Anteile. Intel verkaufte im Zusammenhang mit Sparmaßnahmen 2024 seine Anteile an ARM, ist jedoch weiter Lizenznehmer und wurde 2025 Auftragsfertiger für ARM-CPUs.

Lichtblick für Intel, Unsicherheit bei Lieferanten und Partnern

Nach zahlreichen vergeblichen Sanierungsversuchen sind die geplanten Investitionen aus Washington und Santa Clara ein Hoffnungsschimmer für den angeschlagenen Chiphersteller. Die neue Freundschaft der beiden Tech-Giganten könnte sich auch auf andere Bereiche auswirken.

Intel betreibt eigene Fertigungsanlagen in den USA, unter anderem in Arizona und Ohio, sowie Montage- und Teststandorte in den chinesischen Städten Shanghai und Chengdu. Die Fertigungssparte verzeichnet allerdings jährlich Milliardenverluste und hat Schwierigkeiten, externe Kunden zu gewinnen. Das Foundry-Geschäft von Intel verzeichnete zuletzt bei einem Umsatz von 4,4 Milliarden US-Dollar einen operativen Verlust von 3,17 Milliarden US-Dollar. Erst im Juli 2025 begrub Intel seine Pläne, in Deutschland und Polen neue Halbleiterwerke bauen zu wollen. Als Grund wurden Überangebot und unzureichende Nachfrage genannt.

NVIDIA lässt einen großen Teil seiner Produkte von TSMC in Taiwan fertigen. Geopolitische Spannungen sorgten jedoch für die Ankündigung, gemeinsam mit den asiatischen Auftragsfertigern Foxconn und Wistron zwei Supercomputer-Fabriken in Texas zu bauen. Die Fabriken in Houston (Foxconn) und Dallas (Wistron) sollen im Herbst 2026 die Produktion aufnehmen. Obwohl der Konzern keine eigenen Fertigungsstätten hat, wurden Spekulationen dementiert, künftig auf Intels Foundries zurückzugreifen.

Trotz des Engagements von NVIDIA, neue Produktionskapazitäten in den USA aufzubauen, und Huangs Absage gibt sich Lip-Bu Tan zwischen den Zeilen optimistisch: „Die führenden Rechenzentrums- und Client-Computing-Plattformen von Intel werden in Kombination mit unserer Prozesstechnologie, Fertigung und unseren fortschrittlichen Verpackungsfähigkeiten die Führungsposition von NVIDIA im Bereich KI und beschleunigtes Computing ergänzen und neue Durchbrüche für die Branche ermöglichen. Wir schätzen das Vertrauen, das Jensen und das NVIDIA-Team mit ihrer Investition in uns gesetzt haben, und freuen uns auf die bevorstehende Arbeit, während wir Innovationen für unsere Kunden entwickeln und unser Geschäft ausbauen.“

Weitere Lay-Offs nicht ausgeschlossen

Intel könnte weiterhin an den Plänen festhalten, seine Kernbelegschaft auf 75.000 Mitarbeiter zu reduzieren. Kontinuierliche Quartalsverluste zwangen das Unternehmen, Kosten zu senken und weltweit Stellen zu streichen.

Auch wenn der Aktienkurs nach NVIDIAs Ankündigung kurzfristig stieg, ist Intel noch lange nicht aus dem Schneider.

Wettbewerb bleibt abwartend

In den letzten Jahren konnte AMD durch den Verkauf seiner innovativen EPYC-Prozessoren den Umsatzanteil kontinuierlich ausbauen. Der Marktanteil von AMD nach Stückzahlen betrug im zweiten Quartal 2025 bei Server-CPUs etwa 27,3%. Der Umsatzanteil lag bei ca. 39,4%. Intels Marktanteil sank entsprechend.

Zwar sank AMDs Aktienkurs nach der Ankündigung kurzzeitig. Analysten geben sich dennoch optimistisch und glauben, dass die angekündigten Finanzspritzen Intels grundlegende Probleme nicht lösen werden.

In einer gemeinsamen Webkonferenz von Intel und NVIDIA betonte Huang, an der ARM-Architektur festzuhalten. Der Anteil ARM-basierter Server-CPUs lag für das erste Quartal 2025 Schätzungen zufolge zwischen 12% und 13,2%. Treiber für die steigende Nachfrage sind Hyperscaler wie AWS, Microsoft oder Google. Auf der Suche nach energieeffizienten Lösungen entwickeln die Tech-Vorreiter eigene ARM-Prozessoren. ARM entwickelt das Design der Mikroprozessoren. Das Geschäftsmodell von ARM ist der Verkauf von Fertigungslizenzen für diese Chips.

Trivia

Intel selbst erwog 2005 eine Übernahme NVIDIAs für rund 20 Milliarden Dollar. Der Vorstand lehnte die Pläne allerdings ab. Stattdessen verfolgte man lieber ein eigenes, internes Grafikprojekt, das letztendlich scheiterte. Diese Entscheidung trug wesentlich dazu bei, dass Intel keine Schlüsselkompetenzen in der für das KI-Computing fundamental wichtigen GPU-Technologie hat. In den Jahren nach der missglückten Übernahme entwickelte sich NVIDIA zum Marktführer für KI-Chips und zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Welt.