KI: Europa trotz Mega-Investment von ASML weiterhin nur unter „ferner liefen“

eco - Verband der Internetwirtschaft e.V. fordert einen Turbo für den KI-Standort Deutschland

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Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender des eco Verband der Internetwirtschaft e.V. (Quelle: eco)

ASML investiert 1,3 Mrd. Euro in Mistral, einen europäischen KI-Entwickler. Die Aufholjagd Europas zu den weltweit führenden KI-Anbietern bekommt damit zwar etwas Aufwind. Der Anschluss an die Branchenprimusse bleibt dennoch weiter in unerreichbarer Ferne. Der Verband der Internetwirtschaft e.V. (eco) fordert einen Turbo für Deutschland.

Europas Ambitionen erhalten mit der Beteiligung ASMLs in das französische Startup einen deutlichen Schub im Bereich der künstlichen Intelligenz. Weltweit spielen europäische Entwickler von KI-Technologie aber weiterhin keine große Rolle.

Ein Blick auf die Ranglisten verrät, wer in welchem Bereich die Nase vorn hat. Mistral ist es jedenfalls nicht. Tatsächlich findet sich auf den ersten Blick kein europäischer Entwickler in den Charts – auch nicht Deutschlands Vorzeige-KI-Startup Aleph Alpha. Stattdessen erobern nach Deepseek weitere chinesische KI-Modelle wie GLM von Zhipu AI, Seedream oder Seededit – Bildgeneratoren von ByteDance, Hailuo AI des Startups MiniMax oder Alibabas Qwen AI den Markt.

Schaut man jedoch genauer hin, stolpert man bei den Bildgeneratoren über den offenen Flux-Kontext-Bildgenerator (FLUX.1 Kontext). Das Text-zu-Bild-Modell wurde von Black Forest Labs (BFL) mit Sitz in Freiburg im Breisgau entwickelt. Praxistests attestieren dem Modell auch in komplexen Szenarien qualitativ hochwertige Ergebnisse. Ein Lichtblick!

„Deutschland steht beim KI-Rennen noch in der Startbox“

Der Verband der Internetwirtschaft e.V. fordert einen Turbo für den KI-Standort.

Der ist auch dringend notwendig. Nach eigenen Angaben investierte die Bundesregierung in den Haushaltsjahren 2022 und 2023 insgesamt 1,54 Milliarden Euro in Künstliche Intelligenz. Bis 2025 beträgt die Höhe des dafür vorgesehenen Budgets insgesamt nur 5 Mrd. Euro. Das ist ein Trinkgeld verglichen mit den 500 Milliarden US-Dollar des US-amerikanischen Stargate-Programms.

Andere Branchenverbände wie Bitkom sehen das ähnlich. Im Januar kommentierte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder die Stargate-Ankündigung: „Die USA erklären Künstliche Intelligenz zur Schlüsseltechnologie der Zukunft – und machen eine Ansage an den Rest der Welt. Deutschland und Europa müssen die KI-Initiative aus den USA als ultimativen Weckruf verstehen.”

Allerdings schließt er eine völlig unregulierte KI-Entwicklung und -Nutzung, wie sie offenbar die USA anstreben, als europäischen und deutschen Weg aus. Stattdessen plädiert er für eine Regulierung, die die Menschen dort schützt, wo es darauf ankommt, und zugleich Wirtschaft und Wissenschaft Freiraum gibt, KI-Technologien zu entwickeln und in den Markt zu bringen. “Aktuell besteht in Europa eine regulatorische Dysbalance. Es werden Phantomprobleme geregelt und Innovationen im Keim erstickt. Bleibt Europa auf dem eingeschlagenen Weg, werden wir von neuen KI-Technologien abgeschnitten, KI-Forschung und -Unternehmen werden aus Europa abwandern. Wir werden auch einige der führenden Experten auf dem Gebiet verlieren, wenn sie in den USA deutlich bessere Voraussetzungen für Forschung und Entwicklung vorfinden.”

Mit der offiziellen Veröffentlichung des Referentenentwurfs zur nationalen Umsetzung des AI-Acts startete die entscheidende Phase für die Regulierung künstlicher Intelligenz in Deutschland.

Rohleder fordert Deutschland und Europa auf, ihr regulatorisches Korsett der letzten Jahre aufzuschnüren und sich klar zu KI und ihren Chancen zu bekennen.

“Ein Weiter so darf es nicht geben.“

Auch Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender des eco-Verbandes, warnt: „KI ist das Betriebssystem der Zukunft – und Deutschland darf es sich nicht leisten, hier nur Nutzer zu sein. Wir müssen Gestalter werden. Dafür brauchen Unternehmen jetzt Rechtssicherheit, Investitionsanreize und eine leistungsfähige digitale Infrastruktur.“

eco benennt fünf Hebel für den KI-Durchbruch am Standort Deutschland

Eco fordert vor der Einführung weiterer Regelungen, die Auswirkungen des AI-Acts sorgfältig zu prüfen. Das Ziel muss sein, die Bürokratie gering zu halten und KMUs nicht zu überlasten. Zudem muss die Regierung dringend rechtliche Klarheit schaffen, beispielsweise in Bezug auf die Nutzung personenbezogener Daten für das KI-Training und Urheberrechtsfragen. Hierbei ist eine enge europäische Zusammenarbeit essenziell. Weiterhin sollen Reallabore gefördert werden, damit Unternehmen neue KI-Technologien in einem geschützten Rahmen testen können.

Für die Gewährleistung einer praxisnahen Umsetzung des AI-Act sind klare und einheitliche Aufsichtsstrukturen erforderlich. Die Aufsichtsbehörden sollten nicht nur die Einhaltung der Verordnung überwachen, sondern auch als Förderer agieren und Unternehmen, insbesondere KMUs, durch Leitlinien aktiv unterstützen. Ein fester Bestandteil der Aufsichtsstruktur sollte ein Beirat sein, der alle relevanten Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft einbindet, um einen strukturierten Austausch sicherzustellen.

Deutschland muss in eine KI-fähige Infrastruktur investieren, um KI-Innovationen zu fördern. Das umfasst den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen und die Ansiedlung von Rechenzentren, die durch wettbewerbsfähige Stromkosten und beschleunigte Genehmigungsverfahren unterstützt werden. Parallel dazu ist es entscheidend, die KI-Kompetenzen der Arbeitskräfte zu stärken, um sie auf den Wandel der Berufswelt vorzubereiten. Die öffentliche Verwaltung sollte eine Vorreiterrolle bei der Anwendung von KI-Systemen einnehmen, um Prozesse effizienter zu gestalten und als Ankerkunde den Markt für spezialisierte KI-Lösungen zu stärken.

Seine fünf Kernforderungen hat eco in einem Online-Paper veröffentlicht.