Intel will Startup SambaNova übernehmen

Der angeschlagene Chip-Riese gibt den Kampf um eine Pole-Position im KI-Rennen noch nicht auf.

Bildquelle: SambaNova

Wie Bloomberg berichtet, denkt Intel über den Kauf von SambaNova nach. SambaNova bietet Komplettsysteme auf Basis einer von SambaNova selbst entwickelten Prozessoreinheit. Die RDU (Reconfigurable Dataflow Unit) ist ein Software-Defined Chip. Beim Des Chip. Beim Design standen die Software-Anforderungen im Vordergrund. Der Fokus liegt auf Instruction-Sets, mit denen die RDU an individuelle Anforderungen angepasst werden kann.

SambaNova-Systeme werden darüber hinaus mit vortrainierten Modellen in unterschiedlichen Sprachen, z. B. in Ungarisch, ausgeliefert. So entwickelte und implementierte das Startup z. B. für OTP – einen der größten unabhängigen Finanzdienstleister in Mittel- und Osteuropa und die größte ungarische Bank – in weniger als 3 Monaten den seinerzeit schnellsten Supercomputer für KI in Europa.

AI und ML definieren in Zukunft die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Ihre Verantwortung sieht das Unternehmen vor allem darin, die Technologie für möglichst viele nutzbar zu machen. „Bringing AI to the masses“, bekräftigt Ami Love, Chief Marketing Officer bei SambaNova Systems, die Mission des Startups.

Erst im Oktober hat SambaNova erklärt, dass Infercom den Produkten des RDU-Entwicklers die erste unabhängige Inference-as-a-Service-Plattform in Europa starten wird. Im Rahmen der Vereinbarung will Infercom die SambaManaged-Plattform an strategischen Standorten in Europa bereitstellen. Der erste Rollout ist für November 2025 geplant, weitere Standorte sollen kurz- und mittelfristig folgen.

Infercom, ein Anbieter von souveränen KI-Inferenz-Infrastruktur, hat seinen Hauptsitz in Luxemburg und ist auf leistungsstarke, energieeffiziente Inference-as-a-Service-Lösungen fokussiert. Altug Eker, Geschäftsführer von Infercom sagt: „Wir wollen die Infrastruktur für die nächste Generation von KI-Anwendungen in Europa aufbauen und dabei die Datenhoheit sicherstellen. Mit der Technologie von SambaNova haben wir die Leistung und Effizienz, um einen einzigartigen, konformen Inference-as-a-Service anzubieten. Gemeinsam werden wir Innovationen in Industrie, Forschung und Regierung vorantreiben, indem wir eine schnelle, sichere und europaorientierte Plattform bereitstellen.“

Mit der Rackscale-Plattform von SambaNova ist es auch möglich, mehrere Modelle zu einem Bündel zusammenzufassen (Modellbündelung). Das ist von Vorteil für die Verfügbarkeit unternehmenskritischer Anwendungen oder um mit einer einzigen Infrastruktur die Anforderungen unterschiedlicher Nutzer bedienen zu können.

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SambaNova bezog Anfang 2022 neue, größere Räume im Alexandria-Park in Palo Alto.

SambaNova wurde 2017 gegründet und erhielt in der D-Serie eine Finanzierung von 1 Mrd. USD bei einer Bewertung von 5 Mrd. USD.

Seitdem beherrscht KI das Silicon Valley wie kein anderes Thema und kaum ein Investor kann dem Hype widerstehen. Umso erstaunlicher ist, dass SambaNova trotz des Zaubers und nachweisbarer Erfolge bei der letzten Finanzierungsrunde leer ausgegangen sein soll.

Allerdings gehörte Intel von Anfang an zu SambaNovas Geldgebern und laut Yahoo Finance war auch Walden International von Intel-CEO Lip-Bu Tan schon früh dabei. Möglicherweise kommen auch von ihm die Impulse zu einer Übernahme.

Schlussfolgerungen

Intels frühere Versuche, sich als Alternative zu NVIDIA zu positionieren, waren – wie viele andere Bemühungen des Silizium-Urgesteins – nicht von Erfolg gekrönt. Dennoch scheint man den Kampf nicht aufgeben zu wollen.

Inwieweit die Übernahme das Überleben Intels im KI-Haifischbecken sichert, ist jedoch ungewiss. Mit Broadcom, Qualcomm und AMD tummeln sich bereits einige ernstzunehmende Gegner in der aufgewühlten Inferenz-See. Weitere Konkurrenz lauert in Asien und auch Hyperscaler wie Microsoft und AWS drohen mit der Entwicklung eigener Chips. Google hat’s vorgemacht mit seinen TPUs. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Meta nachzieht.

Der Trend geht ohnehin zu Rack-Lösungen. Kaum eine der neuen Plattformen kommt in einem anderen Formfaktor.

Ein weiterer Trend ist KI as a Service (AIaaS). Selbst Groq baut eigene Rechenzentren.

Umdenken erforderlich

Neue Ansätze wie die TPU von Google, der Inferenz-Chip von Groq oder eben jene RDU von SamabNova sind auch dringend notwendig. KI verlangt Leistung. Und die wird zwangsläufig steigen, je näher Modelle wie ChatGPT oder Claude echter Intelligenz kommen. Das Streben kann und darf jedoch nicht immer mehr Leistungsaufnahme sein.

Ein weiterer Meilenstein ist die Verkleinerung der Modelle selbst ohne an Leistung einzubüßen. Überhaupt spielen Zukunftstechnologien wie Quantencomputing eine Rolle und haben das Potential, GPUs zwar nicht gleich vom KI-Olymp zu stürzen, aber ihnen zumindest den Platz streitig zu machen.

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SambaNova- und Co-Founder Rodrigo Liang (Bildquelle: SambaNova)