eco Studie: Internetwirtschaft warnt vor Verlust der Wettbewerbsfähigkeit

Hohe Kosten, bürokratische Hürden sowie Engpässe in Strom- und Telekommunikationsnetzen hemmen den dringend benötigten Ausbau digitaler Infrastruktur

GettyImages (Credits: JuSun)

eco stellt seine Studie Die Internetwirtschaft in Deutschland 2025-2030 vor. Die deutsche Internetwirtschaft bleibt ein Wachstumstreiber, droht aber an infrastrukturellen und politischen Versäumnissen zu scheitern. eco-Vorstandsvorsitzender Oliver Süme mahnt: „Ohne entschlossenes politisches Handeln könnte der Wachstumsboom ins Leere laufen“

Die Internetwirtschaft erwartet bis 2030 eine jährliche Wachstumsrate von rund 10 Prozent. Strukturelle Defizite wie fehlende Rechenzentrenkapazitäten und schlecht ausgebaute Telekommunikationsnetze könnten diesen Wachstumskurs einbrechen lassen.

Die für das Wachstum benötigte IT-Anschlussleistung von Rechenzentren in Deutschland soll bis 2030 um rund 50% steigen. Treiber sind digitale Plattform- und Transaktionsmodelle sowie Technologien wie GenAI, Edge-Computing und 5G.

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RZ-Kapazitäten in DE: Angebot vs. Bedarf (Quelle eco -Studie Die Internetwirtschaft in Deutschland 2025-2030)

Die Nachfrage ist allerdings schon jetzt dreimal so hoch. Um die Angebotslücke zu schließen, muss die Politik den Zugang zu bezahlbarem grundlastfähigem Strom sicherstellen und Investitionen in digitale Infrastruktur weiter vorantreiben.

„Ohne entschlossenes politisches Handeln könnte der Wachstumsboom ins Leere laufen“, warnt eco Vorstandsvorsitzender Oliver Süme. „Die Studie zeigt, dass wir insbesondere im Bereich der digitalen Infrastrukturen in den kommenden fünf Jahren auf eine massive Angebotslücke zusteuern. KI und Automatisierung lassen die Nachfrage nach Rechenleistung und schnellen Netzen explodieren. Die aktuellen Bedingungen am Standort Deutschland erlauben es uns aber gar nicht, die entsprechenden Kapazitäten zeitgerecht dem Markt zur Verfügung zu stellen.“ Dies habe auch mit politischen Versäumnissen zu tun, so Süme. „Wenn wir es nicht schaffen, KI-Lösungen made in Germany schnell zu skalieren, werden wir im internationalen Wettbewerb abgehängt“, so Süme weiter.

Die Ursachen sind hausgemacht: schleppender Glasfaserausbau, zögerliche Digitalisierung im Mittelstand, fehlende Plattformkompetenz verhindern den Übergang zur Skalierung. „Deutschlands digitale Wettbewerbsfähigkeit ist tief industriell verankert, aber weder breit genug noch global sichtbar“, kritisiert Arthur-D.-Little-Partner Lars Riegel.

Timo von Lepel, Geschäftsführer NetCologne, sieht vor allem beim Glasfaserausbau dringenden Aufholbedarf: „Die Studie zeigt die Bedeutung der Internetwirtschaft für die Wirtschaftskraft Deutschlands und unser zukünftiges Wachstum. Dieses Potenzial können wir nur mit der besten digitalen Infrastruktur heben: einem Mix aus Glasfaser und Rechenzentren made in Germany. Wir müssen aus volkswirtschaftlicher Sicht den Wechsel von Kupfer auf Glas jetzt angehen. Für mehr Tempo beim Ausbau und mehr digitale Souveränität.“

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FTTH/B (Fiber to the Home/Building)-Abdeckungsrate in ausgewählten Ländern ab September 2024 (Quelle eco -Studie Die Internetwirtschaft in Deutschland 2025-2030)

Es fehlen jedoch nicht nur schnelle Internetanbindungen. Auch der Strom muss dort verfügbar sein, wo er gebraucht wird. Und das ist derzeit nicht die Nordsee vor Borkum, sondern Gebiete mit hoher Datengravität wie Frankfurt/Main oder Berlin.

Eine wettbewerbsfähige Digitalinfrastruktur benötigt bezahlbaren grundlastfähigen Strom

Mit rund 23 Cent pro Kilowattstunde liegen die Industriestrompreise in Deutschland ca. 25 Prozent über dem EU-Durchschnitt und sind mehr als doppelt so hoch wie in skandinavischen Ländern oder den USA.

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Industriestrompreise im Vergleich (Quelle eco -Studie Die Internetwirtschaft in Deutschland 2025-2030)

Zudem fehlt es an grundlastfähigen Netzen. „Die Anschlussleistung deutscher Rechenzentren wird bis 2030 auf 3,7 Gigawatt steigen, die Industrie erwartet mindestens den dreifachen Bedarf“, so Arthur-D.-Little-Partner Dr. Nejc Jakopin. Zum Vergleich: Die USA liegen schon heute bei einer 20-fachen Anschlussleistung und planen noch gigantischere Rechenzentren.

Dr. Béla Waldhauser, Sprecher der eco Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen, fordert: „Ohne günstigen, grundlastfähigen Strom, schnellere Genehmigungen und Investitionen in digitale Infrastruktur droht die Branche an Standortnachteilen zu ersticken. Rechenzentren müssen zwingend als systemrelevant anerkannt und in die Strompreiskompensation einbezogen werden.“

Volker Ludwig, SVP und Managing Director DACH bei Digital Realty mahnt: „Deutschland steht vor einer historischen Chance: KI kann unser Wachstum und unsere Innovationskraft massiv beschleunigen. Doch dafür brauchen wir langfristig international wettbewerbsfähige Rechenzentren – und die entstehen nur, wenn wir die Standortnachteile beseitigen. Jetzt ist der Moment zu handeln, um die Weichen für digitale Souveränität und den KI-Standort Deutschland zu stellen.“

Bis 2030 soll sich in Deutschland die Zahl der Rechenzentren verdreifachen. Allein in der Metropolregion Frankfurt sollen laut einer Studie von Bitkom 750 weitere Rechenzentren entstehen. Auch im Großraum Berlin ist der Bau von 760 neuen RZ-Standorten geplant.

Dazu müssen aber auch die Kommunen ins Boot geholt werden. Das gilt umso mehr, als Rechenleistung am Edge an Bedeutung gewinnt. Gemeinden stehen dem Bau neuer Rechenzentren jedoch zunehmend ablehnend gegenüber. Zwar fordern auch sie den Ausbau der Infrastruktur – aber eben nicht im eigenen Garten.

Aus Sicht des Verbandes ist hierzu eine enge strategische Synchronisierung von Maßnahmen auf kommunaler sowie Landes- und Bundesebene im Austausch mit der Wirtschaft essenziell.

Die Studie steht auf der Internetseite von eco zum Download zur Verfügung.