Eco-Studie EuroCloud Pulse Check 2025

Digitale Souveränität, der Traum vom Superscaler und das zweifelhafte Cloudverständnis deutscher Unternehmen

Bild: KI

Laut des EuroCloud Pulse Check 2025 setzen deutsche Unternehmen zunehmend auf Hybrid- und Multi-Cloud-Strategien für mehr Souveränität und Resilienz. Europäische Cloud Service Provider wollen an Bedeutung für geschäftskritische Workloads gewinnen und positionieren sich als Superscaler. Das Cloudverständnis der Befragten indes scheint eher zweifelhaft.

“Künstliche Intelligenz und Cloud Computing verschieben die Grenzen dessen, was Unternehmen technologisch leisten können. Cloud ist dabei längst nicht mehr nur Infrastruktur – sie bildet die Basis für moderne KI-Anwendungen, die effizientere Prozesse, datenbasierte Entscheidungen und mehr Innovationskraft ermöglichen”, schreibt Dr. Nils Kaufmann Vorstand EuroCloud und Leiter EuroCloud Native (ECN) im Vorwort des EuroCloud Pulse Check 2025

Für die von A1 Digital, IONOS und plusserver finanzierte Studie wurden 258 IT- und Geschäftsverantwortliche aus deutschen Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten zu Cloud-Strategien, dem Einfluss geopolitischer Unsicherheiten und Kernthemen wie Souveränität und Resilienz befragt.

57 Prozent der befragten Unternehmen nutzen Hybrid-Cloud-Lösungen. 22% wollen künftig auf eine Multi-Cloud-Strategie setzen, um Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu vermeiden und ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Getrieben durch Erfahrungen aus Pandemie, Lieferkettenkrisen und geopolitischen Unsicherheiten betrachten 83 Prozent Unabhängigkeit und Widerstandsfähigkeit inzwischen als zentral für ihre Zukunftsfähigkeit. Besonders geschäftskritische Bereiche wie Backup & Disaster Recovery (66 %), Container-Technologien (64 %) oder Compliance-Lösungen (64 %) sollen bevorzugt an europäische Anbieter vergeben werden.

Klare Absage an Open Source

Interkompatibilität bzw. ein leichter Anbieterwechsel sowie Focus auf Open Source und (teilweise) integrierte Services wurden als die am wenigsten relevanten Entscheidungskriterien für die Auswahl geeigneter Anbieter genannt. Spezialisierte Dienstleistungen und ein umfangreiches Portfolio sind den Befragten am wichtigsten.

Das dürfte Anbieter wie Bechtle, die mit Open-Source-Angeboten wie NextCloud für mehr digitale Souveränität werben, oder eine Open Telekom Cloud wenig erfreuen.

Kostentransparenz war immerhin für ein gutes Drittel der Unternehmen noch von Bedeutung.

Zweifelhaftes Cloud-Verständnis der Befragten

Europäische Cloud-Anbieter wollen sich als ernsthafte Alternative zu US-Hyperscalern positionieren und sehen sich schon als Superscaler. EuroCloud definiert Superscaler als regionale Antwort auf US-amerikanische Hyperscaler.

Wirft man einen Blick auf die Liste der von den für die Studie Befragten als “Superscaler” bezeichneten CSPs wirft das allerdings große Zweifel am Cloudverständnis der Befragten auf. Neben der Telekom bzw. T-Systems, IONOS und Strato wurden u. a. VMware/Broadcom, Bechtle und DATAGROUP genannt. Während letztgenannte eher als Cloud-Broker und IT-Dienstleister fungieren ist Broadcoms VMware Cloud schlicht und ergreifend nur ein Softwarestack für eine einheitliche Private-Cloud-Plattform mit integrierten Rechen-, Speicher-, Netzwerk-, Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen. VMware betreibt keine eigene, eigenständige öffentliche Cloud-Infrastruktur wie AWS oder Azure. Ab gesehen davon sind weder Broadcom noch VMware europäischen Ursprungs.

Echte europäische Alternativen wie OVH, Stackit, SysEleven (secunet), Netways oder Comback scheinen es bisher überhaupt nicht in die Köpfe von IT-Leitern und Geschäftsverantwortlichen geschafft zu haben.

Da liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor uns!