„Plug and Fry“: Digitalisierung der Industrie-Fritteuse

Wie ein Berliner Startup die Frittierstation neu erfindet

Beschreibung / Quelle

Personalmangel, Kostendruck und hohe Fluktuation setzen die Gastronomie seit Jahren unter Druck. Während viele Robotik‑Startups auf Showeffekte setzen, geht das Berliner Startup Persobots einen anderen Weg: Gründer Ibrahim Buge automatisiert ausgerechnet den unbeliebtesten Arbeitsplatz der Küche – die Frittierstation. Sein Versprechen: eine plug‑and‑play‑fähige Roboterküche, die Gastronomen entlastet, ohne Geschmack oder Flexibilität zu opfern – Plug & Fry.

Frittierstationen sind das Rückgrat vieler Quick‑Service‑Küchen – und gleichzeitig ihr größtes Problem. Hitze, Spritzöl, hektische Spitzenzeiten und monotone Abläufe machen sie zu einem der unattraktivsten Arbeitsplätze der Gastronomie. Genau hier setzt Persobots an.

„Der größte Markt und der größte Schmerz liegen bei der Fritteuse“, sagt Gründer Ibrahim Buge. „Man kommt in der Systemgastronomie nicht an ihr vorbei – aber kaum jemand will dort arbeiten.“

Persobots entwickelt Roboterküchen speziell für diesen Engpass. Zielkunden sind große Systemgastronomen wie KFC, Burger King oder McDonald’s, aber auch lokale Ketten, Hotels, Catering‑Firmen und Stores in Einkaufszentren mit stark schwankender Auslastung.

„Plug and Fry“: Von der Idee zur Turnkey‑Küche

Die Idee begleitet Buge seit Jahren. Bereits 2012 sah er auf der Hannover Messe erste Gastro‑Roboter – damals noch eher als Show. Kurz darauf erkannte er, wie schnell Robotik effizient, bezahlbar und industrienah wurde.

„Mir war klar: Wenn Silicon‑Valley‑Startups mit Food‑Industrie‑Effizienz in die Gastronomie gehen, geraten viele Gastronomen unter Druck“, sagt Buge. „Ich wollte die Brücke schlagen zwischen Maschinenbau und Küchenrealität.“

“Unser Prinzip ist ‚Plug and Fry‘ – wie ein Kaffeevollautomat für die Küche.”
-- Ibrahim Buge, Gründer von Persobots

Seit 2020 arbeitet er an dem Konzept; im Juli 2025 wurde die Persobots GmbH gegründet. Heute arbeitet ein kleines Kernteam in Berlin‑Charlottenburg an der Lösung – ergänzt durch strategische Partner u. a. aus dem Sondermaschinenbau.

Persobots versteht seine Lösung nicht als Forschungsprojekt, sondern als neue Küchengerätekategorie. Das System wird als Turnkey‑Solution geliefert – vergleichbar mit einem Kaffeevollautomaten.

Die Roboter‑Küchenzeile besteht aus Fritteusen mit integrierten Fahrstühlen, einem Kühlsystem für gefrorene Produkte, einer intelligenten Warmhaltestation sowie einer zentralen Software, die alles orchestriert. Die Bedienung ist einfach und intuitiv.

„Keiner soll einen Masterabschluss brauchen, um unser System zu betreiben“, sagt Buge. „Auspacken, anschließen, konfigurieren – fertig.“

Durch präzise Wärme- und Luftregulierung werden die Speisen warm, saftig und knusprig gehalten.

Frittieren im Mixed‑ oder Hybrid-Mode

Die eigentliche Innovation liegt in der Software. Persobots kombiniert gefrorene und frisch panierte Lebensmittel mit dem branchentypischen Mix aus kontinuierlicher Massenproduktion und Einzelbestellungen – ein Problem, an dem viele Gastronomen verzweifeln und Wettbewerber scheitern.

In der Praxis sieht das so aus: Während zur Halbzeit im Stadion Pommes im Dauerbetrieb laufen, kann das System dennoch eine einzelne Veggie‑Burger-Bestellung einschieben, ohne den gesamten Prozess zu blockieren.

Hinzu kommt eine vorausschauende Temperaturregelung. Das System erkennt, wenn große Mengen gefrorener Ware in heißes Öl kommen, und regelt adaptiv nach. Ergebnis:

Ein integriertes Filtersystem verlängert zudem die Nutzungsdauer des Frittieröls laut Persobots um ein Vielfaches – was für große Ketten einen relevanten Kostenfaktor darstellt.

“Wir entwickeln keine Show‑Roboter, sondern Küchengeräte, die Gastronomen wirklich nutzen.”
-- Ibrahim Buge, Gründer von Persobots

Die Küche ist modular aufgebaut. Persobots arbeitet mit standardisierten Modulen, die sich erweitern, austauschen oder an unterschiedliche Fritteusenhersteller anbinden lassen – vorausgesetzt, diese unterstützen digitale Schnittstellen.

„Unsere Software ist nicht auf eine Fritteuse festgelegt“, sagt Buge. „Unsere Software macht aus einzelnen Küchengeräten eine intelligente Roboterküche. “

Damit eignet sich das System sowohl für kleine Stores als auch für hochfrequentierte Standorte.

Robotik als Antwort auf strukturellen Personalmangel

Ein zentraler Treiber ist der Fachkräftemangel. Gastronomen berichten Persobots, dass neue Stores oft 15 bis 20 Mitarbeitende einstellen müssen – und das Team mehrfach austauschen, bis es stabil läuft. Personalsuche, Schulung, Einarbeitung und Fluktuation belasten die Margen massiv.

Hier sieht Buge die Rolle der Robotik klar definiert: nicht als Ersatz für Service oder Fine Dining, sondern als Entlastung bei repetitiven, körperlich belastenden Tätigkeiten.

„Geschmack wie bei Mama wird nicht durch Roboter ersetzt“, sagt er. „Aber dort, wo Menschen nicht arbeiten wollen oder können, hilft Automatisierung.“

Persobots denkt weiter. Langfristig spricht das Team von „Unmanned Quick Restaurants“ – vollautomatisierten Küchen ohne permanentes Personal vor Ort. Noch ist das Zukunftsmusik, aber die Richtung ist klar.

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Das intelligente Frynius-UQR-System wählt die Speisen aus, erhitzt das Öl auf die ideale Temperatur, frittiert Ihre Mahlzeit, sodass sie durchgehend knusprig wird, und verpackt sie automatisch. (Bildquelle: Persobots)

„Heute gehen wir mit der Roboterküche in die menschliche Welt“, sagt Buge. „Später wird sich auch die Küche selbst verändern.“

Fazit

Während viele Robotik‑Startups in der Gastronomie auf Barista‑Roboter und Showeffekte setzen, automatisiert Persobots dort, wo es wehtut – und wo der wirtschaftliche Hebel liegt. Wenn Robotik in der Gastronomie eine Zukunft hat, dann nicht als Gimmick, sondern als unsichtbare Infrastruktur. Genau daran arbeitet Persobots – Fritteuse für Fritteuse.

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Computing sprach auf der Bitkom Transform mit Persobots-Gründer und CEO Ibrahim Buge.