Exklusiv: Avanade-CTO sieht KI-Debatte zunehmend als Kultur- statt Technikfrage
Aaron Reich erklärt im Interview, warum das Tempo der KI-Einführung für Unternehmen zu einer größeren Herausforderung wird als das Verständnis der Technologie.
Bei Avanade drehen sich die Diskussionen über KI inzwischen stärker um Verhalten, Kultur und organisatorischen Wandel als um die Technologie selbst.
Auf der Avanade World Tour in Sydney sagte Aaron Reich, Global Chief Technology and Innovation Officer des Lösungsanbieters, gegenüber CRN Australia, er führe heute deutlich mehr Gespräche über Menschen, Verhalten, Kultur und Veränderung. Vor 18 Monaten habe sich die Diskussion dagegen noch fast ausschließlich um Technologie gedreht.
„Unsere größten Hindernisse sind Menschen und Verhalten sowie die Frage, was wir [mit KI] und innerhalb von Avanade erreichen wollen“, sagte Reich.
Gemeinsam mit Nisha Verma, Chief People Officer bei Avanade, ist Reich Mitinitiator des unternehmensweiten Umschulungsprogramms für die Mitarbeitenden.
„Das ist entscheidend für unsere eigene Transformation dessen, was wir tun. Denn es geht nicht um: ‚Hier ist ein Schulungsprogramm.‘ Es geht darum, wie wir die richtigen Grundkompetenzen aufbauen, über die jeder verfügen sollte“, erklärte er.
Reich beschrieb, wie Avanade die unterschiedlichen Rollen im Unternehmen in den Blick nimmt. „Wenn du in einer technischen Rolle bist – die sich von einer Vertriebsrolle unterscheidet, die sich wiederum von einer operativen Rolle unterscheidet –, wie setzt du dann die Tools in deinem Bereich des Unternehmens richtig ein, damit du auf dem neuesten Stand bist?“ Er fragt: „Wie können wir dir anschließend helfen, einen Teil dieser Transformation selbst zu gestalten, anstatt dass wir sie zentral steuern müssen?“
In diesem Zusammenhang verwies Reich auf Accenture-Untersuchungen zur KI-Transformation. Demnach sehen viele Unternehmen Nachholbedarf bei der Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden und bei der organisatorischen Vorbereitung auf den breiten Einsatz generativer KI.
„Wie so oft haben wir uns auf die Technologie gestürzt und laufen nun der Einführung hinterher“, erklärte er. „Aber nicht so, wie wir früher dachten: ‚Das sollten wir im Hinblick auf die Produktivität messen.‘ Es geht vielmehr darum: ‚Wie entscheidend sind diese Bereiche unseres Geschäfts? Und werden wir unser Ziel erreichen, wenn wir nicht alle dafür gewinnen, das zu tun, was sie tun müssen?‘“
Verständnis für KI
Mit Blick auf das KI-Wissen seiner Kunden sagte Reich, es mangele nicht am Verständnis der Technologie. Die größere Herausforderung bestehe für Unternehmen darin, mit dem Tempo neu erscheinender Tools Schritt zu halten.
Die Kunden des Lösungsanbieters wüssten, was sie mit Blick auf die KI-Einführung erreichen wollten, seien beim Tempo jedoch „wählerisch“, sagte Reich. „Wir haben mehrere Kunden, die mit dem Ansatz starten: ‚Wir werden verändern, wie unsere Mitarbeitenden arbeiten‘“, sagte er.
„Der erste Schritt dazu ist Microsoft Copilot. Das setzen wir bereits in großem Maßstab um und skalieren es für viele verschiedene Kunden.“ Als Beispiel nannte Reich einen Avanade-Kunden, die australische Bank Colonial First State. „Sie wollen KI als umfassende Transformation im gesamten Unternehmen vorantreiben“, erklärte er.
Reich zufolge betrachtet Colonial First State KI aus mehreren Perspektiven. „Es gibt Geschäftsprozesse, die wir ändern werden. Zugleich werden wir auch Änderungen in den Bereichen Governance und Risiko vornehmen.
Wir werden Dinge verändern, die wir aus Personalperspektive wissen müssen. Und wir werden das einführen, was wir für den Betrieb benötigen – Daten und Daten-Governance –, was wir zuvor möglicherweise noch nicht hatten.
Reich schloss mit den Worten: „Dieser Ansatz ist viel ganzheitlicher.“
Der Hersteller veröffentlicht regelmäßig die Avanade Trendlines, eine Reihe von Reports zu Technologie- und Geschäftsstrategien, u. a. den AI Value Report. Im Rahmen dieser Reihe werden Entscheidungsträger weltweit befragt, um die Einführung, die Ziele und die Herausforderungen zu analysieren, mit denen Unternehmen bei der Implementierung neuer Technologien konfrontiert sind.
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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf unserer Schwester-Website CRN Australia.