Everpure setzt trotz Preisdruck auf Flash-Speicher
Everpure-CEO Charles Giancarlo sieht sein Unternehmen trotz steigender Komponentenpreise gut positioniert. Aktuelle IDC-Zahlen belegen zugleich, wie stark KI-Nachfrage, All-Flash-Arrays und verschobene Refresh-Zyklen den Enterprise-Storage-Markt treiben.
„Ich garantiere Ihnen, dass wir bis Ende dieses Jahres mehr Flash-Speicher ausliefern werden als alle unsere Wettbewerber zusammen – vorausgesetzt, wir können die Ware beschaffen, was wir können“, sagt Charles Giancarlo, CEO von Everpure.
Everpure hat in diesem Jahr erstmals einen Quartalsumsatz von 1 Milliarde US-Dollar erzielt. Gleichzeitig ist der Anbieter von Speicherlösungen und Rechenzentrumsausrüstung von den globalen Lieferkettenproblemen und der Chipknappheit betroffen. Das Unternehmen sah sich deshalb zu Preiserhöhungen veranlasst. Charles Giancarlo, CEO von Everpure, erläuterte dabei deutlich, wie stark sich die Situation auf das Unternehmen ausgewirkt hat.
Auf dem „Pure Accelerate“-Gipfel in Las Vegas griff Giancarlo das Thema erneut auf. Gegenüber Partnern und Kunden erklärte er, warum dieser Schritt aus Sicht des Unternehmens notwendig war. Zugleich machte er deutlich, dass sich die Lage aus seiner Sicht nicht kurzfristig entspannen dürfte.
Trotz dieser Rahmenbedingungen zeigte sich der CEO zuversichtlich, dass Everpure die Kundennachfrage nach seinen Flash-Speicherlösungen in diesem Jahr bedienen kann.
„Das Interessante ist, dass wir seit dem letzten Quartal mehr Flash-Produkte ausliefern als jeder andere Wettbewerber. Und ich garantiere Ihnen, dass wir bis Ende dieses Jahres mehr Flash-Produkte ausliefern werden als alle unsere Wettbewerber zusammen – vorausgesetzt, wir können die Produkte beschaffen, was wir auch können“, sagte Giancarlo sowohl in seiner Keynote auf dem Pure Accelerate-Summit in Las Vegas als auch während seiner Ansprache an die Partner auf dem Gipfel.
Während der Pressekonferenz betonte Giancarlo, dass er die Situation der Kunden nachvollziehen könne. Es gehe nicht nur um die Preiserhöhungen selbst, sondern auch um die Verunsicherung, ob ein Angebot unter den aktuellen Marktbedingungen noch angemessen sei.
„Zunächst einmal leben wir in einer Branche, die generell von Deflation geprägt ist. Mit anderen Worten: Die Preise sinken im Laufe der Zeit. Das gilt schon seit Jahrzehnten. Und nun steigen die Preise nicht nur plötzlich an, sondern sogar um einen unglaublichen Betrag. Der Kunde hat nun keine Grundlage mehr, um zu beurteilen, ob er persönlich einen guten Preis erhält oder nicht. Daher habe ich insgesamt großes Verständnis für die Kunden. Aber dies ist ein weltweites Phänomen. Es betrifft nicht nur uns“, sagte er.
Giancarlo verwies zudem darauf, dass nicht nur die Datenspeicherung betroffen sei, sondern die gesamte Halbleiterindustrie – vom 0,10-Dollar-Bauteil bis zur 10.000-Dollar-Komponente. Da die Halbleiterfertigung stark von Fixkosten geprägt sei, dauere es Jahre, eine Fabrik zu errichten und in Betrieb zu nehmen. Zudem erfordere dies Investitionen in Milliardenhöhe.
„Sie lassen sich nicht einfach per Knopfdruck oder mit einem Fingerschnippen in Betrieb nehmen. Wenn also die Nachfrage die Gesamtkapazität der Halbleiterfabriken bei weitem übersteigt – und es Jahre dauern wird, bis diese Nachfrage gedeckt werden kann –, schießen die Preise geradezu in die Höhe. Die Fabrikkapazitäten haben sich zudem in Richtung KI-Umgebung verlagert, wodurch selbst den günstigsten Komponenten Kapazitäten entzogen werden. Es ist also eine Welt, in der wir alle leben werden“, fügte er hinzu.
Gleichzeitig ist Giancarlo der Ansicht, dass die Entwicklung auch dem Hybridmarkt – also dem Markt für Hybridfestplatten und Flash-Speicher – vorübergehend neuen Auftrieb gegeben hat. „Das war wahrscheinlich die größte Veränderung. Aber abgesehen davon hat es die ganze Welt betroffen“, sagte er.
Diese Einschätzung deckt sich mit aktuellen Marktdaten von IDC. Laut dem „Worldwide Quarterly Enterprise Storage Systems Tracker“ stieg der weltweite Umsatz mit externen OEM-Enterprise-Storage-Systemen im ersten Quartal 2026 um 22,7 Prozent auf 9,2 Milliarden US-Dollar. IDC führt die Entwicklung auf eine Kombination aus nachgeholten Infrastruktur-Erneuerungen, steigenden Komponentenpreisen und zusätzlicher Nachfrage durch KI-Infrastrukturen zurück. Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung bei All-Flash-Arrays, die mit 4,9 Milliarden US-Dollar erstmals mehr als die Hälfte des Marktumsatzes ausmachten. Auch High-End-Systeme legten kräftig zu: Systeme mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von mehr als 250.000 US-Dollar wuchsen um 60,7 Prozent. Damit liefern die IDC-Zahlen einen breiteren Marktkontext für Giancarlos Aussagen: Everpure argumentiert nicht allein mit unternehmensspezifischen Belastungen, sondern bewegt sich in einem Markt, in dem Flash-Nachfrage, KI-Workloads und knappe Komponenten die Preis- und Beschaffungslage strukturell verändern. Laut IDC ist auch die Akzeptanz von Subskriptionsmodellen gestiegen, was sicher ebenfalls zu Everpures Aufstieg beigetragen hat.
Auf die Frage nach möglichen Übernahmen oder danach, ob Everpure die Situation zur Gewinnsteigerung nutze, erklärte Giancarlo, dass auch sein Unternehmen die Belastungen mittrage.
„Wir haben einen Beleg dafür. Und dieser Beleg war, dass wir in unserer Telefonkonferenz zum vierten Quartal angedeutet haben, dass wir am unteren Ende unserer Bruttomarge operieren würden – und genau das haben wir getan. Das war ganz klar eine Entscheidung, die wir getroffen haben. Und daran können Sie erkennen, ob wir aus dieser Situation Profit schlagen oder nicht. Wenn Ihre Bruttomargen steigen, sind wir im Grunde genommen nur ein Zwischenhändler für Halbleiter. Wir haben viel Software und so weiter. Aber unsere tatsächlichen Kosten werden durch den Preis beeinflusst, den wir für einen Halbleiter zahlen müssen – und dieser ist allein in den letzten sechs Monaten um das Sechs- bis Achtfache gestiegen“, fügte er hinzu.
Die aktuellen Quartalszahlen stützen diese Argumentation zumindest teilweise: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Everpure einen Umsatz von 778,5 Millionen US-Dollar, ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf GAAP-Basis wies das Unternehmen jedoch weiterhin einen operativen Verlust von 31,2 Millionen US-Dollar aus. Auf Non-GAAP-Basis lag das operative Ergebnis bei 82,7 Millionen US-Dollar. Die Bruttomarge betrug 68,9 Prozent nach GAAP und 70,9 Prozent auf Non-GAAP-Basis. Damit zeigt sich zwar weiteres Umsatzwachstum, zugleich aber auch ein anhaltender Druck auf die Profitabilität und die Margensteuerung.
„Unsere Preise sind bei weitem nicht so stark gestiegen, und wir arbeiten mit einer geringeren Bruttomarge – das ist der Beweis”, so Giancarlo weiter. “Wir haben die Preiserhöhungen unserer Wettbewerber verfolgt. Diese erfolgten früher als unsere und fielen höher aus als unsere. Ich würde also behaupten, dass wir keine überhöhten Gewinne erzielen, und der Beweis dafür liegt in unseren Finanzergebnissen.”
Der Blick auf den Gesamtmarkt zeigt, dass Everpure mit dieser Einschätzung in ein deutlich dynamischeres Marktumfeld eingebettet ist.
Enterprise-Storage-Markt wächst deutlich, All-Flash und High-End legen besonders zu, KI, Refresh-Zyklen und Preise treiben den Markt
Der weltweite Markt für externe Enterprise-Storage-Systeme ist laut IDC im ersten Quartal 2026 um 22,7 Prozent auf 9,2 Milliarden US-Dollar gewachsen. Nach einem verhaltenen Jahr 2025 beschleunigt sich die Entwicklung damit deutlich.
IDC nennt drei zentrale Treiber: Unternehmen holen verschobene Speicher-Modernisierungen nach, KI-Workloads erhöhen den Bedarf an leistungsfähiger Infrastruktur, und steigende Preise für NAND-Flash, Festplatten und DRAM treiben die Systempreise nach oben.
All-Flash-Arrays überschritten erstmals die Marke von 50 Prozent Umsatzanteil und erreichten 4,9 Milliarden US-Dollar. Das High-End-Segment wuchs um 60,7 Prozent auf 2,4 Milliarden US-Dollar, vor allem getrieben durch große KI-Infrastrukturprojekte.
Regional wuchs der Markt breit, besonders stark in Mittel- und Osteuropa. Die USA bleiben mit mehr als 40 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Einzelmarkt. Im Wettbewerb baute Dell Technologies seine Führung auf 31,2 Prozent Marktanteil aus.
IDC erwartet, dass Nachholeffekte, Komponentenpreise und KI-Nachfrage das Wachstum im weiteren Jahresverlauf stützen. Lieferketten bleiben jedoch ein begrenzender Faktor.
Damit verschiebt sich die Marktdiskussion von einer kurzfristigen Preisdebatte hin zu einer strukturellen Neuordnung der Speicherarchitekturen. Für Anbieter wie Everpure bedeutet das ein günstiges Nachfrageumfeld, zugleich aber auch höhere Anforderungen an Lieferfähigkeit, Preisgestaltung und die Positionierung von Flash-Speicher als zentraler Bestandteil von KI- und Dateninfrastrukturen.
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Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwester-Website CRN Asia.