Report: Ausgaben für Tech-Lobbying in Europa in zwei Jahren um 33% gestiegen

In Brüssel gibt es 2025 mehr Vollzeit-Tech-Lobbyisten als Europaabgeordnete.

Europaparlament in Brüssel

Große Tech-Firmen wie Meta, Microsoft, Apple, Amazon und Google haben ihre Lobbyausgaben in der EU in den letzten zwei Jahren um mehr als 33 % erhöht.

Das sagen die gemeinnützigen Forschungs- und Kampagnenorganisationen Corporate Europe Observatory und LobbyControl, die sich bei ihrer Analyse auf das EU-Transparenzregister stützen.

Die jährlichen Ausgaben für Lobbyarbeit in der Union stiegen von 113 Millionen Euro im Jahr 2023 auf bisher 151 Millionen Euro im Jahr 2025, was einem Anstieg von 33,6 % über zwei Jahre entspricht.

Ein Drittel (49 Millionen Euro) der aktuellen Ausgaben entfällt auf nur zehn Unternehmen, von denen sieben ihren Sitz in den USA haben.

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Quelle: Corporate Europe Observatory und LobbyControl

Amazon (mit zusätzlichen Ausgaben von 4,3 Millionen Euro), Microsoft und Meta (jeweils 2 Millionen Euro mehr) sowie die Unternehmenslobbygruppe DIGITALEUROPE, zu deren Mitgliedern viele der gleichen Unternehmen gehören (1,25 Millionen Euro zusätzlich), trugen am meisten zum Anstieg der Lobbyausgaben bei.

Laut einem Blogbeitrag von Corporate Europe Observatory haben große Tech-Unternehmen im Durchschnitt mehr als ein Lobby-Treffen pro Tag mit EU-Kommissionsbeamten abgehalten, insgesamt 146 Treffen in der ersten Hälfte des Jahres 2025.

Mit Unterstützung der Trump-Regierung setzen sich die großen Tech-Unternehmen intensiv dafür ein, wichtige EU-Vorschriften wie das KI-Gesetz, das Gesetz über digitale Märkte (DMA) und das Gesetz über digitale Dienste (DSA) zu schwächen oder zu verzögern. Dabei werden sie von einigen europäischen Parteien unterstützt. Der Bericht stellt fest, dass die Europäische Volkspartei eine unverhältnismäßig hohe Anzahl von Treffen mit Lobbyisten der großen Tech-Unternehmen abgehalten hat.

Außerdem sagen die Forscher, dass die Zahl der „Lobbyakteure“ – technikfreundliche Thinktanks, Verbände, Unternehmen und Vermittler – in Brüssel seit 2023 von 565 auf 733 gestiegen ist, was zum Teil auf eine Welle neuer KI-bezogener Firmen zurückzuführen ist, die sich in der belgischen Hauptstadt niedergelassen haben.

„Es gibt jetzt mehr Vollzeit-Lobbyisten, die die Digitalpolitik der EU beeinflussen, als es Abgeordnete im Europäischen Parlament gibt”, sagt Corporate Europe Observatory.

Weiter heißt es: „Der Trend ist ganz klar: Die Tech-Branche gibt mehr Geld aus als andere Unternehmenssektoren, die für ihre Lobbyarbeit und ihren Einfluss auf die politische Agenda der EU bekannt sind. Zum Beispiel geben die zehn größten Digitalunternehmen dreimal so viel aus wie die zehn größten Geldgeber in der Pharma-, Finanz- und Automobilindustrie und doppelt so viel wie der Energiesektor.”

Neben direktem Lobbying geben die großen Tech-Unternehmen mehr als 9 Millionen Euro pro Jahr für Beratungsfirmen, PR-Agenturen und Thinktanks aus, um ihre Botschaften zu verbreiten, die gegenüber jeglicher Regulierung zunehmend feindselig sind.

Angesichts des Drucks aus dem In- und Ausland haben die Abgeordneten des Europäischen Parlaments vor einer Schwächung wichtiger Rechtsvorschriften gewarnt, um Tech-Unternehmen und die US-Regierung zu beschwichtigen.

Bisher scheinen die Gesetzgeber der Europäischen Kommission dem Druck zur Schwächung der Vorschriften zu widerstehen, da Bußgelder und Untersuchungen gegen unter anderem Google, Meta und TikTok wie gewohnt fortgesetzt werden. Die Autoren des Berichts sagen aber, dass die Lobbyarbeit für Deregulierung einen neuen Gang einlegt.

„Anstatt die Deregulierungstrommel zu rühren, sollte die Kommission das öffentliche Interesse vor dem Einfluss der großen Tech-Unternehmen schützen und stattdessen die Durchsetzung ihrer bestehenden digitalen Strategie verstärken“, so ihr Fazit.

Als Beispiel könnte der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) dienen: Der wechselt von Microsoft zu Open Source und geht zu dem in Deutschland entwickelten openDesk über.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf unserer Schwester-Website Computing.