SD-WAN versprach einfachere Netzwerkkonfiguration – Was ist tatsächlich geschehen?

Ein Blick auf einige Realitäten von SD-WAN und darauf, was IT-Verantwortliche vor ihrer nächsten Modernisierung prüfen sollten.

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Zentrale Steuerung, kostengünstigere Bandbreite und eine einfachere Verwaltung von Zweigstellen: Mit diesen Versprechen trat SD-WAN an. Inzwischen ist die Technologie in vielen Unternehmen etabliert. The Business Research Company prognostiziert, dass der SD-WAN-Markt von 9,17 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 12,03 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr wachsen wird.

Die Verbreitung allein bedeutet jedoch nicht, dass SD-WAN alle Erwartungen erfüllt hat. Trotz der hohen Ziele vieler Implementierungen zeigen verfügbare Marktberichte, dass die Technologie in wichtigen Punkten hinter den ursprünglichen Versprechen zurückbleibt.

Welche SD-WAN-Versprechen haben sich erfüllt?

In den vergangenen Jahren hat SD-WAN vor allem eines verändert: Viele mittelständische Unternehmen haben begonnen, sich von teureren und langsameren MPLS-Netzwerkarchitekturen (Multiprotocol Label Switching) zu lösen. Anbieter positionierten SD-WAN früh als kostengünstigere und flexiblere Alternative zu MPLS. Aktuellen Marktdaten zufolge konnte DIA-gestütztes SD-WAN Unternehmen dabei helfen, rund 25 Prozent der Kosten einzusparen.

Neben den Kosteneinsparungen nannten IT-Führungskräfte laut Daten aus der „WAN Manager Survey 2025“ von TeleGeography auch operative Agilität, standardisierte Netzwerkverbindungen in Zweigstellen und die Unterstützung für lokalen Internet-Breakout als wichtigste Ergebnisse ihrer SD-WAN-Implementierungen. Während einige der Führungskräfte Skepsis hinsichtlich der langfristigen Relevanz von SD-WAN im Vergleich zu endpunktbasiertem SASE äußerten, stellte der Bericht fest, dass SD-WAN für physische Zweigstellen und die Verwaltung von IoT-Geräten weiterhin von entscheidender Bedeutung ist.

Auch eine Umfrage von Enterprise Management Associates (EMA) bestätigt dieses gemischte Bild. Von den 226 befragten IT-Fachkräften gaben 98,2 Prozent an, nach der Einführung von SD-WAN zumindest teilweise Erfolge bei ihren WAN- und Sicherheitsinitiativen erzielt zu haben. Nur 46 Prozent bezeichneten diese Initiativen jedoch als vollständig erfolgreich.

Diese Ergebnisse zeigen: SD-WAN hat im Mittelstand reale Fortschritte gebracht. Gleichzeitig verschiebt sich die Bewertung inzwischen von der reinen Verbindungstechnik hin zur Frage, wie gut sich SD-WAN in Cloud-, Sicherheits- und Betriebsmodelle einfügt.

Wo stößt SD-WAN auf Hindernisse?

Eines der größten von den EMA-Forschern bei SD-WAN-Implementierungen herausgestellten Hindernisse, ist die Komplexität der Integration. Dem Bericht zufolge stehen Unternehmen bei der Umstellung von SD-WAN auf eine umfassendere SASE-Architektur vor großen Herausforderungen; vier von zehn IT-Führungskräften bezeichneten den Übergang sogar als „etwas schwierig“. Ein Teil dieser Schwierigkeiten ist auf die Personalausstattung zurückzuführen. EMA stellte fest, dass mehr als die Hälfte der Befragten einen Mangel an Fachwissen in den Bereichen Netzwerke und Sicherheit als einen Faktor nannten, der die Kombination von SD-WAN mit SASE erschwert.

Mit der stärkeren Cloud-Nutzung haben sich auch die Anforderungen an SD-WAN verändert. Kentik, ein Anbieter von Netzwerküberwachungslösungen, stellt fest, dass es sehr schwierig wird, Einblick in die Benutzererfahrung zu gewinnen, wenn Richtlinien, Overlays und Cloud-Pfade gleichzeitig verschoben werden. Besonders für IT-Teams im Mittelstand ist das problematisch, weil sie trotz wachsender Cloud-Bedrohungen resilient bleiben müssen. Viele Befragte der EMA-Umfrage nannten zudem die isolierte Verwaltung von Sicherheit und Netzwerk als eine ihrer größten Sorgen.

Unternehmen sollten zudem den Sicherheitsrisiken, die von den SD-WAN-Plattformen selbst ausgehen, mehr Aufmerksamkeit schenken, riet Juan Mathews Rebello Santos, Cybersicherheitsforscher und Gründer von BNVD.org.

„SD-WAN-Anbieter liefern ihre eigenen Firewalls und Routing-Stacks aus, und diese schaffen eine neue Angriffsfläche. Man kann nicht davon ausgehen, dass der Anbieter seinen eigenen Stack ausreichend abgesichert hat“, so Rebello Santos.

Um dieses Problem zu lösen, greifen Unternehmen auf Überwachungstools von Drittanbietern zurück; 81,4 Prozent von ihnen stufen diese laut dem EMA-Bericht als „sehr wichtig“ ein. Allerdings gab nur etwa die Hälfte an, mit der Transparenz, die diese Tools bieten, zufrieden zu sein.

Was die Zukunft für die SD-WAN-Modernisierung bereithält

Cloud-Datenverkehr, SaaS-Nutzung und Sicherheitsintegrationen haben die Erwartungen von Unternehmen an ihre WAN-Infrastruktur grundlegend verändert. Infolgedessen überprüfen viele IT-Führungskräfte ihre SD-WAN-Anbieter neu. Untersuchungen von IDC zeigen, dass Unternehmen bei der Planung ihrer nächsten Implementierungen zunehmend Wert auf KI-gestützten Netzwerkbetrieb, stärkere Sicherheitsfunktionen und eine bessere Kostenoptimierung legen.

Diese Verschiebung spiegelt die Erkenntnisse von TeleGeography wider, wonach SASE, Zero Trust, Network-as-a-Service (NaaS) und AIOps zu zentralen Überlegungen werden, wenn Unternehmen ihre WAN-Strategien modernisieren.

Rebello Santos erklärte gegenüber MES Computing, er sei der Ansicht, dass Unternehmen auch die Rolle von SD-WAN innerhalb der übergeordneten Sicherheitsarchitektur überdenken sollten.

„Bei der nächsten Erneuerung betrachte ich SD-WAN rein als Transportschicht und nicht als Sicherheitsgrenze. Ich würde auf eine SASE-Integration mit einem separaten, cloudbasierten Sicherheitsstack bestehen, anstatt mich auf die vom SD-WAN-Anbieter mitgelieferte Firewall zu verlassen.“

Neben der Sicherheitsarchitektur rückt damit auch die Bedienbarkeit der Plattform stärker in den Fokus. Automatisierung sollte zu einem zentralen Bewertungskriterium werden und nicht erst im Nachhinein berücksichtigt werden.

„Ich würde auf API-gesteuerte Automatisierung drängen, damit die SD-WAN-Konfiguration als Code verwaltet und über Git statt über eine GUI überprüfbar ist“, fügte er hinzu.

Empfehlungen für Ihren zukünftigen SD-WAN-Einsatz

Aus diesen Entwicklungen lassen sich vier Prüfsteine für die nächste SD-WAN-Entscheidung ableiten.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf unserer Schwester-Website MES Computing.