Warum veraltete IT-Infrastruktur zum unterschätzten Geschäftsrisiko wird

Altsysteme arbeiten oft noch zuverlässig. Gleichzeitig erhöhen sie Sicherheits-, Compliance- und Innovationsrisiken genau dort, wo Unternehmen mehr Resilienz und Flexibilität benötigen.

Bild: Getty Images / Credits: jacus

Die weit verbreitete Haltung „Was nicht kaputt ist, muss man nicht reparieren“ hat viele Modernisierungsinitiativen ausgebremst. Vor allem mittelständische Unternehmen setzen weiterhin auf veraltete Infrastruktur. Diese Abhängigkeit vermittelt IT-Verantwortlichen häufig ein gewisses Maß an Sicherheit: Solange Systeme stabil laufen und zentrale Geschäftsprozesse zuverlässig unterstützen, können Modernisierungsvorhaben warten. Budget und Aufmerksamkeit fließen dringenderen Anforderungen zu.

Diese Logik erscheint zunächst als nachvollziehbarer Umgang mit begrenzten Ressourcen. Das Problem? Ein Altsystem kann zwar jahrelang weiterlaufen, baut dabei jedoch mehrere Ebenen von Komplexität auf, die später bewältigt werden müssen.

Hinter der Stabilität von Altsystemen verbergen sich oft Risiken

Tatsächlich müssen Altsysteme nicht erst ausfallen, bevor sie zur Belastung werden. Nicht mehr unterstützte Software, Hardware am Ende ihres Lebenszyklus und eine veraltete Netzwerkinfrastruktur können zwar weiterhin Kernprozesse tragen, lassen sich jedoch zunehmend schwieriger sichern, warten und in neuere Technologien integrieren.

IT-Verantwortliche sollten daher einschätzen können, warum weitere Verzögerungen bei der Modernisierung von Altsystemen riskant sind – und weshalb jetzt ein geeigneter Zeitpunkt zum Handeln sein kann.

Laut Microsoft sollten technische Entscheidungsträger diese zentralen Risikobereiche im Blick behalten, wenn ihre Unternehmen weiterhin veraltete Infrastruktur nutzen:

Die Kosten des Abwartens gehen über Ausfallzeiten hinaus

Eine Möglichkeit, die versteckten Kosten veralteter Infrastrukturen zu erfassen, ist der Blick auf technische Verschuldung (Technical Debt). Wer für kritische Geschäftsfunktionen weiterhin auf Altsysteme angewiesen ist, häuft technische Schulden an, ohne sich dessen bewusst zu sein. Gartner schätzt, dass bis zu 40 Prozent der Infrastruktursysteme über alle Anlageklassen hinweg von Problemen im Zusammenhang mit technischen Schulden betroffen sind.

„Teams verursachen technische Schulden, wenn sie zugunsten kurzfristiger Ziele Abstriche bei der langfristigen Qualität machen, Abkürzungen nehmen oder Workarounds einsetzen, um Liefertermine einzuhalten“, stellte Gartner in einer Studie fest.

Mit zunehmendem Alter der Infrastruktur können solche kurzfristigen Entscheidungen zu langfristigen betrieblichen Belastungen werden. Microsoft warnt, dass bereits „nur ein weiteres Jahr des Zögerns“ beim Betrieb eines nicht mehr unterstützten Systems Hackern neue Möglichkeiten eröffnen kann.

Altsysteme bremsen KI-Initiativen

Die Kosten veralteter Infrastruktur wirken sich inzwischen auch auf KI-Projekte aus, auf die Führungskräfte mittelständischer Unternehmen für ihr Wachstum setzen. Agentische KI benötigt beispielsweise Systeme, die sich leicht vernetzen und anpassen lassen. Genau das ist bei veralteter Infrastruktur, die möglicherweise noch durch jahrelange Behelfslösungen eingeschränkt ist, häufig nicht gegeben.

Selbst ein gut finanziertes KI-Projekt kann jedoch scheitern, wenn die zugrunde liegende Altsystem-Infrastruktur nicht flexibel genug ist, um es zu unterstützen. Auch Deloitte weist in seinem Report “State of AI in the Enterprise” darauf hin, dass die Integration mit bestehenden Systemen zu den zentralen Herausforderungen bei der Einführung agentischer KI zählt.

Maßnahmen, die IT-Verantwortliche ergreifen können

Die Sorge vor unbekannten Risiken hat mittelständische Unternehmen oft davon abgehalten, ihre IT-Infrastruktur zu modernisieren. Jetzt gezielt zu handeln, ist jedoch sicherer, als abzuwarten, bis ein Vorfall eintritt. Microsoft empfiehlt die folgenden Schritte als kurze Checkliste zur Vorbereitung:

--

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf unserer Schwester-Website MES Computing.