Neues Geschäftsmodell gesucht: Hersteller übernehmen zunehmend Software-Beratung selbst

Während die Beratungshäuser noch mit Stellenabbau und Restrukturierung kämpfen, zieht am Horizont neues Ungemach auf. KI muss sich monetarisieren – und dazu nehmen OpenAI und Anthropic das Beratungsgeschäft ins Visier.

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OpenAI hat ein Joint Venture im Wert von 10 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, das intern als DeployCo (auch „The Deployment Company“) bekannt ist. Ziel ist es, die Einführung von OpenAI-KI-Tools in großen Unternehmen zu beschleunigen.

DeployCo soll die Lücke zwischen den Fähigkeiten aktueller KI-Modelle und deren praktischer Umsetzung in Unternehmen verringern. Dazu sollen Ingenieurteams direkt bei Kunden eingebettet werden – ähnlich dem Palantir-Modell – und OpenAI-Tools, -APIs und -Agenten in die Arbeitsabläufe integrieren.

Anthropic zog kurz darauf nach und hat ein 1,5-Milliarden-Dollar-Joint-Venture mit mehreren Wall-Street- und Private-Equity-Giganten ins Leben gerufen, um ebenfalls einen eigenen KI-Beratungszweig aufzubauen. Die neue Einheit macht keinen Hehl daraus, direkt mit den traditionellen Beratungshäusern zu konkurrieren. Auch die Anthropic-Ingenieure sollen vor Ort Arbeitsabläufe neugestalten und Claude-basierte KI-Lösungen direkt in Unternehmen einbinden bzw. maßgeschneiderte KI-Systeme entwickeln. Anthropic-Finanzchef Krishna Rao will so eine kostengünstigere und technisch versiertere Alternative zu hochbezahlten Beratern bieten.

Als „gebundener Vertriebskanal“ sollen zunächst die Private-Equity-Portfolios dienen; adressiert werden über 1.200 Portfoliounternehmen u. a. in den Branchen Gesundheitswesen, Logistik und Fertigung.

Disruption in der Softwareberatung

Die Modelle von Palantir, OpenAI und Anthropic unterscheiden sich grundlegend von denen anderer Anbieter wie SAP – dort übernehmen oft spezialisierte Teams großer Beratungsgesellschaften wie Deloitte und Accenture oder Technologiekonzerne wie NTT DATA die Einführung komplexer Softwareprodukte. Die Leistungen reichen von Beratung über Projekt- und Changemanagement bis hin zur Individualisierung und beinhalten u. a.:

Die Projektdauer variiert zwischen 3 und 4 Monaten bei kleinen Unternehmen und kann schon mal bis zu 5 Jahre betragen, z. B. in einem DAX-Konzern. Die Kosten können aufgrund der hohen Komplexität und individueller Schnittstellen im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich liegen – ohne Wartung und Support; nur ca. 20 % der Kosten entfallen auf die Software selbst.

Derzeit laufen Projekte wie DeployCo vielleicht noch parallel zu den „Frontier Alliances“ mit den Beratungshäusern. Zugleich positionieren sich die Modellentwickler wie OpenAI und Anthropic als direkter Gegenentwurf zu den Geschäftsmodellen der Big Four (Deloitte, PwC, EY und KPMG) und der Big Three (McKinsey, BCG und Bain). Es ist eine Frage der Zeit, bis andere Softwareriesen wie SAP nachziehen – und auch den ganzen Kuchen wollen.