Von 48 Stunden auf 60 Minuten: Wie die Interhyp AG ihre IT-Infrastruktur mit Kubernetes auf Hochgeschwindigkeit trimmt

Eine Fallstudie über die Balance zwischen digitaler Agilität, Kosteneffizienz und strenger Compliance.

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Der Druck zur Digitalisierung in der Finanzbranche ist enorm, gleichzeitig setzen Regulatorik und Datensicherheit enge Grenzen. Deutschlands größter Vermittler für private Baufinanzierungen, die Interhyp AG, stand vor der Herausforderung, eine veraltete Container-Plattform rechtzeitig vor deren End-of-Life (EOL) abzulösen. Mit dem Umstieg auf eine europäische Open-Source-Technologie realisierte das Unternehmen eine drastische Reduktion der Time-to-Market und schuf ein zukunftssicheres, hybrides Cloud-Setup.

Vendor-Lock-in und drohende Kostenexplosion

Die Interhyp AG beschäftigt rund 1.600 Mitarbeiter und kooperiert mit über 500 Finanzierungspartnern. Die Verwaltung hochsensibler Kundendaten sowie das Management der dahinterliegenden Microservices erfordern eine IT-Architektur, die skalierbar, ausfallsicher und streng reguliert ist. Bereits im Jahr 2017 startete das Unternehmen seine Containerisierungsstrategie. Die anfänglich gewählte Plattform erwies sich jedoch zunehmend als Flaschenhals: Strikte Restriktionen und ein ausgeprägter Vendor-Lock-in erschwerten die Integration moderner Open-Source- und Cloud-Native-Lösungen.

Als das End-of-Life der Plattform näher rückte, stand das IT-Management vor einer kritischen Entscheidung. Eine Verlängerung des Supports für die veraltete Umgebung hätte die Wartungskosten um das Zwei- bis Dreifache in die Höhe getrieben. Innerhalb eines Zeitfensters von nur 18 Monaten musste eine belastbare, kosteneffiziente und vor allem flexiblere Alternative implementiert werden.

Hybride Cloud-Strategie als regulatorische Notwendigkeit

Im hochregulierten deutschen Finanzsektor – geprägt durch BaFin-Richtlinien wie die BAIT und künftig die europäische DORA-Verordnung – ist der vollständige Wechsel in eine Public Cloud oft keine Option. Finanzinstitute müssen eine strenge Datenhoheit (Digital Sovereignty) gewährleisten und Konzentrationsrisiken vermeiden. Interhyp suchte daher nach einem Tool, das den Betrieb von Clustern auf Bare-Metal-Servern (On-Premises) im eigenen Rechenzentrum ermöglicht, ohne auf moderne Cloud-Werkzeuge verzichten zu müssen. Gleichzeitig forderte die Entwicklungsabteilung eine nahtlose Kompatibilität mit den Azure Kubernetes Services (AKS) für hybride Workloads.

Die Wahl fiel auf "KubeOne", eine Infrastruktur-agnostische Lösung des Open-Source-Spezialisten Kubermatic für das Lifecycle-Management von Kubernetes-Clustern. Das Kommandozeilen-Werkzeug (CLI) ermöglicht den automatisierten Aufbau hochverfügbarer Produktionscluster auf bestehender Hardware. Für Interhyp bedeutete dies, die vorhandenen On-Premises-Ressourcen weiterhin effizient nutzen zu können und parallel eine Air-Gapped-fähige, sichere Umgebung zu etablieren.

“Kubermatic und KubeOne haben uns dabei geholfen, unsere Cloud-Native-Strategie auf den Weg zu bringen und einen Hybrid-Cloud-Ansatz zu verfolgen. Durch die optimale Nutzung unserer vorhandenen Hardware konnten wir unsere Entwicklerteams dabei unterstützen, neue Produkte in weniger als einem Tag bereitzustellen und ihre Dienste gleichzeitig auf einer zuverlässigen und ausfallsicheren Plattform zu betreiben”, sagt Willi Bühler, Head of Application Technology bei der Interhyp AG.

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Willi Bühler ist Head of Application Technology bei der Interhyp AG.

GitOps und Automatisierung als Effizienz- und Recruiting-Treiber

Ein zentrales Ziel der Transformation war die Modernisierung der Deployment-Prozesse. Entwicklerteams fordern heute Arbeitsumgebungen, die auf Konzepten wie Infrastructure-as-Code und GitOps basieren. Dies ist nicht nur entscheidend für die IT-Produktivität, sondern im Kontext des massiven Fachkräftemangels im Tech-Sektor ein essenzieller Faktor für die Arbeitgeberattraktivität. Die veraltete Legacy-Umgebung schreckte neue Talente eher ab, weshalb der Wechsel zu einem modernen Open-Source-Stack strategisch geboten war.

Mit dem neuen Ansatz und dem konsequenten Einsatz von GitOps-Workflows konnte die Bereitstellung neuer Services signifikant beschleunigt werden. Während Deployments auf der alten Plattform bis zu zwei Tage in Anspruch nahmen, ist ein neuer Microservice heute innerhalb von nur einer Stunde produktionsbereit. Interhyp rollt durchschnittlich 16 Microservices pro Monat aus.

Zudem profitierte die interne Zusammenarbeit: Bestand das für die Container-Plattform zuständige IT-Operations-Team früher lediglich aus drei Personen, arbeiten heute alle 13 Mitglieder des DevOps Platform Excellence Teams mit der neuen Architektur. Die vereinfachte, unkomplizierte Handhabung brach bestehende IT-Silos auf und skalierte das Kubernetes-Wissen in die Breite des Unternehmens.

“Sämtliche Komponenten werden zu Ressourcen, die Teams innerhalb weniger Minuten eigenständig über eine Schnittstelle oder ein dediziertes Portal anfordern. Weder Tickets noch Chat-Nachrichten oder zeitaufwändige Abstimmungen mit Administratoren sind erforderlich”, beschreibt Sebastian Scheele, CEO und Co-Gründer von Kubermatic die wirtschaftlichen Aspekte einer Cloud-nativen Infrastrukturplattform.

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Sebastian Scheele ist CEO und Co-Gründer von Kubermatic.

Ausfallsicherheit und lückenlose Compliance

Neben der Agilität bleibt die Systemstabilität das wichtigste Gut eines Finanzdienstleisters. Durch die in der neuen Plattform nativ verankerten Hochverfügbarkeitsfunktionen verzeichnet Interhyp keine ungeplanten Downtimes. Die Services stehen den Endkunden und Partnerbanken jederzeit verlässlich zur Verfügung.

Bühler fasst den strategischen Mehrwert der IT-Transformation zusammen: „Auf der Grundlage nativer Cloud-Technologien sind wir in der Lage, unsere Arbeitslast zwischen On-Premise- und globalen Hyperscalern zu verlagern. Außerdem können wir mit unserer neuen KubeOne-Plattform unsere strengen Datenschutz-, Compliance- und Sicherheitsanforderungen erfüllen und gleichzeitig den Wartungsaufwand und die Ausfallzeiten reduzieren.“

Offene Standards als Wettbewerbsvorteil

Die Transformation der Interhyp AG beweist, dass die Modernisierung von IT-Kernsystemen im Finanzwesen kein langwieriges, starres Unterfangen bleiben muss. Durch die Abkehr von schwerfälligen, proprietären Plattformen hin zu einer agilen, unabhängigen Open-Source-Lösung hat das Unternehmen ein akutes Kosten- und Lifecycle-Problem gelöst. Gleichzeitig schuf Interhyp eine belastbare technologische Basis, um regulatorischen Anforderungen proaktiv zu begegnen, die Entwicklerproduktivität zu maximieren und im dynamischen Baufinanzierungsmarkt durch kurze Innovationszyklen seine Marktführerschaft zu untermauern.

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