Effizient, aber durstig: Amazon nennt erstmals globale Wasserbilanz für Rechenzentren

Der absolute Verbrauch von Rechenzentren wird für Nachhaltigkeitsberichte und Cloud-Strategien zunehmend wichtiger.

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Mit der erstmaligen Veröffentlichung des gesamten Wasserverbrauchs seiner Rechenzentren macht Amazon einen wichtigen Schritt in Richtung Transparenz – allerdings nicht zwingend in Richtung Rechenschaftspflicht.

Amazon hat erstmals offengelegt, wie viel Wasser das Unternehmen verbraucht. In einem Blogbeitrag beziffert der Konzern den gesamten weltweiten Wasserverbrauch seiner Rechenzentren für das Jahr 2025 auf 2,5 Milliarden Gallonen.

Amazon ordnet diese Zahl mit zwei zentralen Aussagen ein: Erstens nutze das Unternehmen Wasser deutlich effizienter als konkurrierende Hyperscaler. Zweitens sei es weiterhin auf Kurs, bis 2030 „wasserpositiv“ zu werden. Nach eigenen Angaben hat Amazon bereits 75 Prozent dieses Ziels erreicht.

Wasserpositiv bis 2030

Am einfachsten lässt sich zunächst die zweite Aussage einordnen. „Wasserpositivität“ bedeutet, dass Anlagen mehr Wasser an die Umwelt zurückgeben, als sie verbrauchen – etwa durch Regenwassernutzung oder die Aufbereitung von Abwasser zur Wiederverwendung.

Amazon nennt mehrere Beispiele dafür, wie entsprechende Maßnahmen an einzelnen Standorten umgesetzt werden. Dazu gehört ein Projekt in Oregon, bei dem das Unternehmen ein Vorhaben finanziert, das während winterlicher Hochwasserphasen Wasser aus dem Columbia River entnimmt und in einem Grundwasserleiter speichert, um es in trockeneren Jahreszeiten nutzen zu können.

Die 75-Prozent-Angabe stützt Amazon vermutlich auf die Ankündigung von mehr als 50 Wasserprojekten, von denen „erwartet“ wird, dass sie jährlich über 5,8 Milliarden Gallonen Wasser für lokale Gemeinden zurückführen.

Das Wort „erwartet“ ist in diesem Zusammenhang entscheidend. Offen bleibt zudem, ob es sich bei den genannten „lokalen Gemeinden“ um dieselben Gemeinden handelt, in denen Amazons Rechenzentren errichtet wurden.

Auffällig ist etwa, dass Amazons Vereinbarung von Anfang dieses Jahres unerwähnt bleibt, mit der das Unternehmen zusagte, 20,5 Millionen Dollar zu zahlen. Mit der Zahlung sollte der Vorwurf beigelegt werden, dass ein großes Rechenzentrum in Morrow County, Oregon, zur Nitratverschmutzung beigetragen und dadurch lokale Grundwasservorkommen belastet habe.

In seiner Berichterstattung nutzt Amazon ähnliche rhetorische Mittel wie seine Wettbewerber. So stellt das Unternehmen den absoluten Wasserverbrauch den Mengen gegenüber, die im privaten Bereich für Rasenflächen und Golfplätze genutzt werden. Das ist nicht zwingend falsch, kann den eigenen Verbrauch jedoch relativieren und geringer erscheinen lassen.

Sind Amazons Rechenzentren effizienter?

Kurz gesagt: Ja, und zwar deutlich.

Amazon gibt an, dass der weltweite Rechenzentrumsbetrieb im Jahr 2025 eine Wassereffizienz (Water Unit Efficiency, WUE) von 0,12 Litern erreicht. Das bedeutet: Amazon verbraucht 0,12 Liter Wasser pro Kilowattstunde (L/kWh) Stromverbrauch.

Die Vergleichsdaten aus der jüngsten Runde der Nachhaltigkeitsberichterstattung stammen aus dem Jahr 2024. Dennoch wirkt Amazons Aussage plausibel: Für das Geschäftsjahr 2024 veröffentlichte Microsoft eine WUE von 0,3 L/kWh, während Google bei 1,1 L/kWh lag.

Amazon veröffentlicht seine WUE bereits seit einigen Jahren als Vergleichskennzahl. Angaben zum absoluten Wasserverbrauch hatte das Unternehmen auf Nachfrage jedoch lange nicht offengelegt. Zur Begründung hieß es, ein Hyperscaler werde naturgemäß viel Wasser verbrauchen; entscheidend sei daher, wie effizient dies geschehe.

Effizienz ist wichtig, der gesamte Wasser-Fußabdruck aber ebenso. Ähnlich wie beim CO2-Fußabdruck haben Kunden und potenzielle Nutzer solcher Dienste ein Interesse daran zu verstehen, wie sich ihre Aktivitäten auf die eigene ökologische Bilanz auswirken. Ein Unternehmen von der Größe Amazons sollte zudem nachvollziehbar darlegen, welche Umweltwirkungen seine Aktivitäten an den jeweiligen Standorten haben.

Im Vergleich zu anderen Hyperscalern mit weitgehend ähnlicher Rechenzentrumskapazität liegt Amazon beim Wasserverbrauch am unteren Ende der Skala. Wie Google gibt Amazon den Verbrauch in Gallonen statt in Litern an – vermutlich, weil die Zahl dadurch niedriger wirkt: 2,5 Milliarden US-Gallonen entsprechen etwa 9,46 Milliarden Litern. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2024 lag der Verbrauch von Microsoft bei ca. 5,8 Milliarden Litern, der von Google bei fast 30,8 Milliarden Litern. Meta verbrauchte in diesem Jahr ungefähr 3,1 Milliarden Liter.

Damit liegt Amazons Wasserverbrauch im Rechenzentrumsbereich über dem einiger anderer Hyperscaler, bleibt aber weiterhin nur ein Bruchteil des Verbrauchs von z. B. Googles Rechenzentren.

Ehre, wem Ehre gebührt

Amazon verdient Anerkennung dafür, erstmals eine absolute Zahl zum Wasserverbrauch veröffentlicht zu haben. Die Daten bestätigen, dass seine Rechenzentren zu den wassereffizienteren im Hyperscale-Sektor zählen.

Transparenz allein reicht jedoch nicht aus. Aussagen zur „Wasserpositivität“ stützen sich weiterhin stark auf künftige Projekte und Ausgleichsmaßnahmen. Effizienzkennzahlen können zudem davon ablenken, dass Amazon jedes Jahr mehr Wasser verbraucht. Angesichts des anhaltenden Ausbaus der Rechenzentren bleiben zentrale Fragen offen: nicht nur, wie effizient Wasser genutzt wird, sondern auch, welche Auswirkungen diese Nutzung auf die Gemeinden und Ökosysteme hat, aus denen es entnommen wird.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf unserer Schwester-Website Computing.