#unpluggedit: Zwischen Quantenphysik und virtuellen Körpern
In ihrer Kolumne beschäftigt sich die Computing-Herausgeberin mit den zentralen Fragen rund um Technologie und Verantwortung.
Am 14. April war World Quantum Day. Es hätte keine bessere Zeit dafür sein können. Derzeit scheint die ganze Welt ein einziger Quantencomputer zu sein mit uns als Qubits darin. Alle spinnen herum und keiner kennt den genauen Zustand.
Ende 2025 hatte die EU-Kommission wegen möglicher Verstöße gegen das europäische Kartellrecht ein neues Verfahren gegen Meta eingeleitet. Die Hüter des Wettbewerbs glauben, dass Meta den Zugang Dritter zu den eigenen Diensten, konkret zu WhatsApp, rechtswidrig einschränkt.
Im Februar 2026 folgte eine Mitteilung zu den Beschwerdepunkten sowie die Ankündigung, einstweilige Maßnahmen zu verhängen. Die zuständige EU-Kommissarin Teresa Ribera wollte „sicherstellen, dass die europäischen Bürger und Unternehmen in vollem Umfang von dieser technologischen Revolution profitieren können".
Nachdem die Behörde im März weiterhin keinen echten Kurswechsel bei Meta sah, will man jetzt mit Sofortmaßnahmen einen «schweren und irreparablen Schaden für den Markt» verhindern.
Das ist entweder selten dämlich oder ausgesprochen genial. Ich sehe schon die nächste Schlagzeile vor mir: „EU verhängt Sofortmaßnahmen gegen BMW, weil sie Motoren anderer Hersteller nicht in ihren Autos dulden.“ – Ich persönlich fände Audi-Technologie ja einen echten Gewinn für die Münchner.
Derweil hat Meta-CEO Mark Zuckerberg seine Untergebenen angewiesen, eine KI-Version von sich selbst zu entwickeln. Die soll dann den am wenigsten geliebten Teil seines Jobs übernehmen: den Umgang mit anderen Menschen. Ich sehe den Avatar schon am EUGh verhandeln. Hoffentlich spendieren sie ihm diesmal Beine.
In den Verhandlungspausen kann die digitale Entität dann mit den anderen Agenten virtuellen Kaffee schlürfen. Cloudflare Mesh soll das erste private Netzwerk für KI-Agenten sein. Angeblich seien bisherige Netzwerkmodelle primär für Menschen konzipiert. Mesh soll nun Menschen, Cloud-Umgebungen und KI-Agenten nahtlos vernetzen.
Das Versprechen: Entwickler können Laptops, Büro-Hardware und Multi-Cloud-Umgebungen im Handumdrehen zu einer zentralen, privaten Struktur (Fabric) verbinden. KI-Agenten sollen durch einfache Code-Befehle präzise eingegrenzten Zugriff auf private APIs und Datenbanken erhalten.
Was soll da schon groß schiefgehen!
Parallel dazu ertrinkt gerade die Welt in einer Flut neu entdeckter Schwachstellen. Das Paradox daran? Seit sie en masse gefunden werden, gibt es noch nicht einmal mehr Patches. Das ist auch kein Kunststück, wenn Fehler im Code schneller gefunden werden, als man "Patch" überhaupt sagen kann.
Das hat zur Folge, dass die ersten Bug-Bounty-Programme die Zahlung von Prämien eingestellt haben. Das hat unterschiedliche Gründe. Neben der hohen Last durch automatisierte Meldungen – Danke, KI! – werden auch sehr viele Schwachstellen mit niedrigem Risiko oder Bugs, die eigentlich gar keine sind, gemeldet oder mehrere Bug-Hunter melden dieselbe 'Lücke' gleichzeitig.
Bug-Bounty-Programme sind deswegen nicht gleich tot. Was aber passé ist: Schwachstellenmanagement – jedenfalls so, wie Sie es kennen. Hier findet aktuell der vielleicht größte Paradigmenwechselin der IT statt.
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